Massenevakuierung: New Orleans wird ausgelöscht

Viele Europäer betrachten New Orleans als die spannendste Stadt überhaupt in den Vereinigten Staaten. Jedes Jahr reisen beinahe 20 Millionen Touristen dorthin, um den farbenfrohen Karneval, die weltberühmte Jazzmusik, die ausgezeichnete Küche und die vielfältige Architektur zu bewundern. Wer aber New Orleans und die Umgebung im Bundesstaat Louisiana auf seine Wunschliste für zukünftige Urlaube gesetzt hat, muss sich jetzt beeilen. Bald wird New Orleans nämlich nur noch in den Geschichtsbüchern zu finden sein. Schuld trägt die außerordentliche Lage der Stadt, denn ganz Stadtteile wurden unter dem Wasserspiegel gebaut. Angesichts der zunehmenden globalen Erwärmung steigen die Wasserstände in alarmierendem Tempo weiter an, und Wissenschaftler haben nun die sofortige Evakuierung der rund 380.000 Einwohner gefordert. 

Verschwindet schon in diesem Jahrhundert 

Laut Forschern wird die Stadt bereits bis zum Ende dieses Jahrhunderts vollständig von den Wassermassen des Golfs von Mexiko eingenommen werden und eine Evakuierung ist unumgänglich. Die katastrophalen Folgen des Hurrikans „Katrina“ im Jahre 2005, der 1400 Menschen das Leben kostete und Sachschäden im Wert von 97 Millionen Euro verursachte, seien nur ein kleiner Vorgeschmack dessen gewesen, was im Laufe der nächsten Jahre auf die Bevölkerung zukommt. Etwa ein Viertel der Einwohner von New Orleans hat bereits den Empfehlungen der Forscher Folge geleistet und ist in andere Städte der Vereinigten Staaten ausgewandert. Jetzt gilt es, die restlichen 384 000 zum Wegzug zu bewegen.

Schweden als Vorbild 

Eine Forschungsgruppe hat jetzt davor gewarnt, zu lange mit den Vorbereitungen zu warten. Stattdessen schlagen die Wissenschaftler einen Umzugsprozess nach dem Modell der schwedischen Stadt Kiruna vor. Die Stadt im hohen Norden hat nach einer Einsturzbedrohung als Folge extensiven Bergbaus sowohl historisch wichtige Gebäude als auch Einwohner über mehrere Jahrzehnte hinweg gezielt in einen neuen und sicheren Bereich umsiedeln lassen. Dasselbe sollte auch im Falle von New Orleans möglich sein. Wenn die Stadtverwaltung und der Bundesstaat Louisiana zu lange zögern, droht ein „chaotischer Rückzug“, der mit hohen Kosten, großen Versorgungsverlusten und einer enormen Bedrohungslage für insbesondere den ärmeren Teil der Bevölkerung verbunden ist. Gleichzeitig warnen Forscher davor, mehr Geld in den Hochwasserschutz zu investieren, der die endgültige Überschwemmung der Stadt zwar verzögern, aber nicht verhindern kann. Je mehr jetzt noch in Ressourcen in die Abdämmung der Stadt verwendet wird, desto weniger Mittel werden in Zukunft für einen Umzug zur Verfügung stehen. 

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Alexander Grünstedt