

Mit beinahe 1,5 Milliarden Einwohnern, von denen ungefähr 1,5 Millionen in den Streitkräften dienen, ist Indien immer noch eine schwer unterschätzte globale Militärmacht. Das Land unterhält nach China die zweitgrößte Streitmacht der Welt und viele der Soldaten sind aufgrund der ständigen Auseinandersetzung mit Pakistan, unter anderem im Kaschmir-Tal, auch kampferprobt.
Gleichzeitig gilt Indien als wichtigster wirtschaftlicher Zusammenarbeitspartner Russlands. Gemeinsam mit China, Brasilien und Südafrika haben die Russen und Inder immerhin den BRICS-Wirtschaftsblock im Jahre 1998 aus der Taufe gehoben. Indien und dessen geschäftstüchtiger, aber umstrittener Premierminister Narendra Modi erhalten international viel Kritik, denn die Nation hat wiederholt russische Ausfuhren, darunter auch Öl, weltweit als indische Exporte „umetikettiert“, und dabei Putins Kriegskasse in Gang gehalten. Gerade fand wieder ein Spitzentreffen zwischen Russland und Indien statt, von dem sich Putin wahrscheinlich Hilfe von dem mächtigen indischen Premier erhofft hat. Stattdessen kam es zu einer höchst öffentlichen und unangenehmen Abfuhr für die Russen.
Rüge an Putin vor laufender Kamera
Das Treffen zwischen Putin und Modi fand auf einem Wirtschaftsgipfel im chinesischen Shanghai statt. In einer Rede vor laufender Kamera beschuldigte der indische Premier, mit dem Krieg in der Ukraine die Menschheit jeden Tag einen Schritt zurückzusetzen. „Indien unterstützt alle Friedensbemühungen in diesem Bereich [Krieg in der Ukraine], und das werden wir auch weiterhin tun“, sagte Modi zu Putin und fügte hinzu: „Wir müssen den endlosen Krieg hinter uns lassen und zum Ende des Krieges, zur Einstellung der Feindseligkeiten gelangen.“ Bisher nahm Modi davon Abstand, sich direkt zu dem Krieg in der Ukraine auszusprechen, hat aber zum Entsetzen des Kremls über europäische Umwege den Ukrainern Waffen und Munition zukommen lassen.
Indische Söldner in Russland
Gleichzeitig hat Russland zur Irritation Indiens eine großangelegte Rekrutierungskampagne in dem bevölkerungsreichsten Land der Welt vorgenommen und dabei durch falsche Versprechungen indische Söldner für den Krieg gegen die Ukraine angeworben. Trotz enormen Wirtschaftswachstums gilt Indien immer noch als ein Schwellenland, und ein Großteil der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Mit dem Versprechen von schnellem Reichtum sind viele Inder aus den ärmsten Regionen des Landes in den Krieg gegen die Ukraine gezogen, wo sie als Kanonenfutter ihr Leben ließen. Die indische Regierung hat seither Moskau untersagt, weitere Rekrutierungskampagnen durchzuführen, und die russische Regierung dazu aufgefordert, alle in der russischen Armee dienenden Inder sofort zu entlassen und nach Hause zu schicken.