Darum steigen die Infektionszahlen rasant an

Die Zahl der gemeldeten Corona-Infektionen sank bis Anfang Juli auf nur noch 300 bis 500 pro Tag, doch nun steigen die Zahlen wieder rapide an. So wurden dem Robert-Koch-Institut am Montag 633 Fälle gemeldet, nachdem es zuvor nur 309 waren.

Am Dienstag nun schlug der RKI-Präsident Lothar Wieler Alarm: „Wir sind mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie.“ Und auf Nachfrage sagte er: „Wir wissen nicht, ob es der Beginn einer möglichen zweiten Welle ist, aber das könnte er sein.“ Derzeit streiten sich die Experten, ob tatsächlich schon die zweite Welle heranrollt.

Vor voreiligen Schlüssen warnt der Top-Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin: „So wie ich den Begriff verstehe, gäbe es eine zweite Welle, wenn unser Gesundheitssystem an seine Grenze käme.“ Doch das ist derzeit nicht der Fall.

Den die gestiegenen Fallzahlen gehen nicht nur auf die Lockerungen der Corona-Maßnahmen zurück. Ein Grund ist auch, dass einfach mehr getestet wird. Denn von Mitte Juni bis Mitte Juli stieg der Zahl der wöchentlichen Tests von ca. 384 000 auf dann über 530 000 an.

Und es stecken sich mittlerweile auch immer mehr junge Menschen mit dem Virus an, diese gehören aber per Definition nicht zu der Risikogruppe. Im April, auf dem Höhepunkt der Pandemie lag das Durchschnittsalter der Infizierten bei über 50 Jahre, nun liegt es bei 36 Jahren.

In einer geheimen Videokonferenz warnte auch Helge Braun, der Kanzleramtschef vor einer schwindenden Corona-Disziplin in der Bevölkerung. Denn die Regierung hat Sorge, dass viele Urlaubs-Rückkehrer das Virus mitbringen und das volle Kneipen, Gaststätten und Freibäder der Pandemie neuen Schub geben. Doch über wichtige Fragen wird derzeit gestritten.

Wer bezahlt die Zwangs-Tests für Rückkehrer?

Heftiger Widerspruch kam aus den Ländern zum Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn, der den Reise-Rückkehrern kostenlos die Tests machen lassen will. So sagte unter anderem der NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann: „Wer in ein Risikogebiet reist, sollte zukünftig auch für Testkosten aufkommen. Die Gesundheitsministerkonferenz hat daher auch eine entsprechende Umlage auf die Flugtickets einstimmig beschlossen.“

Macht jetzt jedes Bundesland, was es will?

Momentan sieht es in der Tat danach aus. Unter anderem hat Mecklenburg-Vorpommern gestern die Regeln für Rückkehrer verschärft und verlangt nun im Abstand von 5 – 7 Tagen zwei Test, da sonst zwei Wochen Quarantäne drohen. Hingegen ist das bayerische Beherbergungsverbot für Touristen aus Corona-Hochburgen vom Verwaltungsgericht gekippt worden.

Welche Rolle spielen Großfamilien mit Migrationshintergrund auf Heimaturlaub?

Derzeit ist dies noch unklar, doch deuten Innenpolitiker aus Bayern und Baden-Württemberg hinter vorgehaltener Hand an, dass es einen hohen Anteil an rückkehrenden „Heimaturlaubern“ aus der Türkei und vom Balkan gebe und damit ein besonderes Risiko bestehe, so der CSU-Chef Markus Söder.

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