Das Wunder von Portugal: Europas Corona-Sorgenkind erholt sich

Zum Jahreswechsel war Portugal eine Corona-Hölle mit überlasteten Krankenhäusern und unzähligen Toten. Jetzt liegt die Inzidenz wieder bei 30. Portugals Strategie war ein knallharter Lockdown mit strengen Kontrollen.

Portugal befindet sich wieder auf Lockerungskurs. Die staatlichen Behörden messen eine Sieben-Tages-Inzidenz von 30 und das Leben kehrt zurück auf die Straßen. Auch das Robert-Koch-Institut lockerte den Status des portugiesischen Festlands vor rund einer Woche. Das Land ist kein Risikogebiet mehr. Dabei klangen die Schlagzeilen Anfang des Jahres noch ganz anders.

Ein Rückblick: Vor rund vier Monaten explodierten die Fallzahlen in Portugal. Zu Weihnachten lag die Inzidenz bei 240, Mitte Januar bewegte sich der Wert auf die 900 zu. Bald darauf meldeten einige Krankenhäuser des Landes überlastete Intensivstationen. Patienten mussten in Rettungswägen vor den Kliniken versorgt werden, weil diese keinen Platz mehr hatten. Corona-Kranke wurden in andere Länder geflogen, um sie zu behandeln. Die Bundeswehr entsandte ein medizinisches Hilfsteam, um dem Personalnotstand entgegen zu wirken und die Mediziner vor Ort zu unterstützen.

Zwei Monate Knallhart-Lockdown

Was ist dann passiert? Die Regierung versetzte das Land Mitte Januar in einen Ausnahmezustand mit knallharten Maßnahmen, um Kontakte zu unterbrechen. Schon vier Wochen später sank die Inzidenz wieder unter 100. MItte März erlaubte Premierminister António Costa die ersten Lockerungen. Jetzt erst kehren normale Freiheiten langsam zurück.

Zwei Monate lang galten strenge Ausgangsbeschränkungen. Niemand durfte ohne guten Grund vor die Tür – Tag und Nacht. Private Treffen mit Personen anderer Haushalte waren komplett untersagt. Hinzu kam eine 100% Maskenpflicht. Wer das Haus verlässt, muss eine Maske tragen, egal wohin der Weg führt. Die Maskenpflicht besteht bis heute. Die Ausgangssperren und das Kontaktverbot wurden inzwischen gelockert. Grundsätzlich besteht aber noch die Empfehlung, zuhause zu bleiben und Kontakte zu beschränken.

Erst seit dieser Woche sind Aktivitäten mit niedrigem Ansteckungsrisiko wieder erlaubt: Sport im Freien ohne Körperkontakt sowie Besuche von Parks und Sehenswürdigkeiten. Allerdings gilt ein strenges Gebot, Abstand zu halten. Viele Geschäfte und Friseure öffneten Mitte März, Restaurants und Cafés sind noch immer geschlossen. Nur Lieferservice und To-Go-Angebote sind erlaubt. Für Arbeitgeber besteht eine Homeoffice-Pflicht, insofern diese möglich ist. Dies gilt bis heute.

Die portugiesischen Schulen waren rund zwei Monate lang komplett geschlossen. Kindergärten und niedrige Jahrgänge durften Mitte März zurückkehren. Die Klassenstufen drei und vier gehen erst seit einer Woche wieder zum Präsenzunterricht.

Auch die Grenzen sind geschlossen und alle Flüge wurden ausgesetzt. Einreisen darf man nur mit einem triftigen Grund. Dann wird jedoch eine Test- und Quarantänepflicht fällig. Inzwischen gibt es Lockerungen innerhalb des Schengenraums.

Die Impfquote in Portugal liegt bei 6,4 Prozent. In Deutschland sind 6,2 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.