Deutsche Bahn plant Massenschließung von Reisezentren

Die Deutsche Bahn macht wenig richtig. Trotz massiver Unterstützung seitens der Steuerzahler, die dafür einen reibungslosen Zugverkehr erwarten, kommen die meisten Züge immer noch zu spät. Auch ständige Zugstreichungen, unaufhörliche Schienennetzarbeiten und unsichere Bahnhöfe machen Reisenden schwer zu schaffen.

Jetzt kommt eine weitere Beeinträchtigung für Deutsche-Bahn-Kunden hinzu. Der bundeseigene Mobilitäts- und Transportkonzern hat nämlich beschlossen, viele seiner Reisezentren in den Bahnhöfen zu schließen. In Zukunft soll so gut wie alles online hantiert werden, obwohl sowohl die DB-App als auch die Website ständig von ähnlichen Desastern befallen werden wie der Zugverkehr. 

Besonders Ältere und Behinderte betroffen 

Die Schließung von Reisezentren beeinträchtigt ausgerechnet eine Kundengruppe hart, die besonders auf den Zugverkehr angewiesen ist. Für ältere Zugreisende bieten die Reisezentren in den Bahnhöfen oft die einzige Möglichkeit, sich über Reiserouten, Verbindungen und Ticketpreise zu informieren. Die Information, die sie im Internet erhalten, ist selbst für geübte Reisende schwierig zu navigieren. Ältere Reisende kann sie schlechthin überfordern. Auch Behinderte, die oft genauere Auskünfte über Zugangsmöglichkeiten zu Bahnhöfen, Zügen und Reiseannehmlichkeiten benötigen, werden von der Schließung der Reisezentren beeinträchtigt. Aber auch für “herkömmliche” Reisende kann der unmittelbare Kontakt zu dem Deutsche-Bahn-Kundendienst eine Belastung werden. Wer jemals seinen Anschlusszug aufgrund einer Verspätung oder Streichung eines Zuges verpasst hat und in der Pampa festsitzt, weiß, wie schwierig es sein kann, sich im Deutsche-Bahn-Dschungel von Erstattungsformularen, Hotelbuchungen und Ersatzzügen zurechtzufinden. 

Fernzugverkehr entscheidet 

Dennoch weist sich die Deutsche Bahn unnachgiebig. In einer Stellungnahme in der Bild-Zeitung gibt die Geschäftsleitung zu, in Zukunft nur noch auf größeren Bahnhöfen mit Fernverkehr einen Kundendienst zu bieten. „Entscheidend sind die Zahl der Ein- und Umsteiger, die typische Reiseweite der Kunden und deren Servicebedarf“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn. In vielen Gebieten, darunter Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, hat der große Rückzug der Reisezentren bereits begonnen. Im Westen fängt die umfassende Schließung mit den Reisezentren in den Hauptbahnhöfen von Aachen, Bochum und Landau in der Pfalz an. 

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Alexander Grünstedt