

Ein ungewöhnlicher und dramatischer medizinischer Notfall hat in der Nacht zum Sonntag für Aufregung auf hoher See gesorgt. An Bord des Kreuzfahrtriesen MSC Poesia, der gerade auf dem Weg von Southampton nach Hamburg war, verlor eine 58-jährige Passagierin plötzlich und ohne Vorwarnung das Sehvermögen auf einem Auge. Das unerwartete Ereignis löste einen schnellen Rettungseinsatz aus, der weite Teile der Passagiere und Besatzung in Atem hielt.
Der medizinische Notfall ereignete sich kurz vor der geplanten Ankunft des Schiffes in Hamburg. Die Frau, englische Staatsbürgerin, konnte an Bord nicht ausreichend medizinisch versorgt werden, zumal es sich um eine akute Erblindung handelte, die nach Einschätzung der Crew umgehend eine spezialisierte Behandlung erforderte. Besonders brisant: Aufgrund der winterlichen Bedingungen mit starker Vereisungsgefahr war ein Transport per Rettungshubschrauber über der Nordsee nicht möglich.
Angesichts der prekären Lage wurde die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) alarmiert. Von der Station in Hooksiel aus setzte der Seenotrettungskreuzer aus, um die Frau aufzunehmen. Gegen 22:30 Uhr trafen sich die „Poesia“ und der deutlich kleinere Rettungskreuzer nördlich von Langeoog. Trotz der schwierigen Bedingungen mit etwa ein Meter hohen Wellen gelang es den Rettern, die Patientin sicher vom großen Kreuzfahrtschiff auf das Seenotrettungsboot zu transferieren.
Mit hoher Geschwindigkeit fuhr der Kreuzer anschließend Richtung Hooksiel, wo kurz vor Mitternacht bereits ein Rettungswagen zur Weiterfahrt in eine Spezialklinik wartete. Dort soll die Frau nun schnellstmöglich behandelt werden.
Dass die Rettung per Hubschrauber nicht möglich war, zeigt eindrücklich, wie sehr winterliche Wetterlagen selbst moderne Rettungsaktionen beeinflussen können. Eisregen und vereiste Rotoren verhindern Start und Landung von Luftrettungsmitteln – und machen den Seenotrettern auf See eine Schlüsselrolle bei medizinischen Notfällen weit draußen in der Nordsee.
Der schnelle Einsatz, bei dem Menschlichkeit und Präzision Hand in Hand gingen, wird von vielen als Beispiel dafür gesehen, wie wichtig gut ausgebildete und ausgerüstete Rettungsteams auf See sind. Gleichzeitig wirft der Vorfall Fragen auf, wie Kreuzfahrtschiffe künftig noch besser auf akute medizinische Notfälle vorbereitet sein können – gerade in geografisch herausfordernden Regionen und zu Winterzeiten.