Europas Rache an Trump

Der umstrittene amerikanische Präsident Donald Trump hegt einen großen Groll gegen Europa und insbesondere die Skandinavier, die historisch gesehen für ihre liberale Politik und Gesellschaft bekannt sind. Nicht nur droht Trump den Dänen ständig damit, das dänisch kontrollierte arktische Gebiet von Grönland den Vereinigten Staaten einzuverleiben. Auch die Norweger stehen regelmäßig auf seiner Abschussliste, weil das Land seiner Meinung nach ihm den Friedensnobelpreis verweigert. Dabei hat der Amerikaner aber nicht bedacht, wie sehr die amerikanischen Finanzen, von den Skandinaviern und Europa abhängig sind. Das rächt sich jetzt. 

Investoren ziehen sich zurück 

Der größte dänische staatliche Investor, die akademische Pensionskasse, hat gerade bekanntgegeben, dass sie alle ihre Investitionen aus den USA bis zum Ende des Monats zurückholen will. Dabei dreht es sich um etwa 100 Millionen US-Dollar. Schwedische institutionelle Investoren haben schon weit früher begonnen, ihre Investitionen von etwa 8 Milliarden US-Dollar aus den Vereinigten Staaten abzuladen. Auch Finnland will schnellstens seine Investitionen in amerikanische Staatsanleihen aufgeben. Der norwegische Staatsfonds hat zwar zurzeit noch keine konkreten Pläne, amerikanische Investitionen zu stornieren, hält aber die Möglichkeit in Zukunft offen. Insgesamt halten europäische Investoren sogenannte US-Staatsanleihen von etwa 8 Billionen US-Dollar. Finanzexperten gehen davon aus, dass die amerikanische Wirtschaft zusammenbrechen wird, sollten die Europäer in einer konzertierten Attacke diese loswerden. Die Skandinavier haben in ihrem Rückzug angegeben, dass die Gründe nichts mit der Kontroverse über Grönland zu tun haben, sondern vielmehr mit den Angriffen Trumps auf die Unabhängigkeit der US-amerikanischen Zentralbank Fed. Die unberechenbaren Entscheidungen des Präsidenten stellen gemäß den skandinavischen Investoren eine zu große Gefahr für die amerikanische Wirtschaft dar und man zieht sich deshalb vorsichtshalber zurück. 

Sorge über deutsche Goldreserven 

Auch hierzulande macht man sich Sorgen über die Willkür, die Trump an den Tag legt. Die deutsche Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) hat gerade davor gewarnt, dass ein Drittel der deutschen Goldreserven sich zurzeit in New York befindet. Diese haben einen gesammelten Wert von 164 Milliarden Euro und sollten so schnell wie möglich nach Europa überführt werden, um zum Beispiel einer zukünftigen Beschlagnahmung durch den unberechenbaren Präsidenten vorzubeugen. „Vertrauen in die Verlässlichkeit transatlantischer Partner allein darf nicht unsere wirtschaftliche und sicherheitspolitische Souveränität ersetzen“, sagte die FDP-Politikerin in einem Gespräch mit dem Spiegel. 

Deutschland immer attraktiver

Gleichzeitig kommen auch gute Nachrichten, denn die Launen des amerikanischen Präsidenten werden jetzt dafür verantwortlich gemacht, dass ausländische Investoren ihr Geld verstärkt auf Deutschland setzen. Zum ersten Mal seit Langem sind die ausländischen Investitionen in deutsche Firmen weitaus höher als die Investitionen von deutschen Betrieben im Ausland. „Rechtssicherheit und Kalkulierbarkeit werden im globalen Wettbewerb zum Standortvorteil für Deutschland“, sagte Handelsexperte Juergen Matthes in einer Einschätzung über die Attraktivität der deutschen Wirtschaft in „Zeit“.

Foto: Mette Frederiksen und Friedrich Merz (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Alexander Grünstedt