Experten schlagen Alarm: Neues Gesetz bringt 73-Stunden-Woche

Ein Albtraum für Millionen von Arbeitnehmern, nun konkret schwarz auf weiß: Die bevorstehende Reform des Arbeitszeitgesetzes durch die Bundesregierung könnte dazu führen, dass Menschen mehr Stunden arbeiten müssen, als für ihre Gesundheit oder ihr psychisches Wohlbefinden gut ist.

Arbeitsrechtler schlagen Alarm, und das aus gutem Grund: Was wie etwas aus einem dystopischen Film klingt, könnte in Deutschland bald Realität werden – eine 73-Stunden-Woche.

Gesetzesentwurf soll im Juni vorgelegt werden
Grund ist die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes: Ein entsprechender Gesetzentwurf könnte laut Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas bereits im Juni dem Bundestag vorgelegt werden. Der Grund zur Besorgnis: Nach dem, was bisher über die Reform bekannt ist, würden wichtige Schutzmaßnahmen für Arbeitnehmer wegfallen.

Die Reform soll laut Bundesregierung den 8-Stunden-Arbeitstag aufweichen. Schließlich ist Deutschland dafür bekannt, weltweit zu den Ländern mit der kürzesten durchschnittlichen Arbeitszeit pro Jahr zu gehören (rund 1.340 bis 1.354 Stunden pro Arbeitnehmer und Jahr). Im Durchschnitt entspricht dies etwa 26 Stunden pro Woche. Angesichts einer schwächelnden Wirtschaft muss sich dies ändern. Doch die geplante Reform könnte das Thema durchaus ins andere Extrem treiben.

Tägliche Arbeitszeitbegrenzung soll wegfallen
Die maximale Arbeitszeit von 8 Stunden pro Tag soll wegfallen. Laut Koalitionsvertrag der rot-schwarzen Regierung soll künftig nur noch eine maximale Wochenarbeitszeit gelten. Diese soll auf 48 Stunden festgelegt werden, doch wie Experten warnen, könnte diese Zahl leicht umgangen werden.

Wie die Arbeitsrechtlerin Dr. Amélie Sutterer-Kipping und der Arbeitsrechtler Dr. Laurens Brandt vom Hugo-Sinzheimer-Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervorheben (wie die Frankfurter Rundschau berichtet), muss zwar über einen längeren Zeitraum ein Durchschnitt von 48 Stunden gelten, einzelne Wochen könnten Arbeitnehmer jedoch an die Belastungsgrenze bringen.

73,5-Stunden-Woche möglich
Wie die Experten berechnet haben, gilt ohne tägliche Arbeitszeitbegrenzung lediglich die gesetzliche Mindestruhezeit von 11 Stunden und eine 45-minütige Pause, sodass Arbeitnehmer am Ende einen Arbeitstag von 12 Stunden und 15 Minuten absolvieren könnten – und das ganz legal. Bei einer 6-Tage-Woche – schließlich ist laut EU nur ein Ruhetag vorgeschrieben – summiert sich das auf 73,5 mögliche Arbeitsstunden.

Tatsächlich könnte es vorkommen, dass von den Beschäftigten in manchen Wochen extrem lange Arbeitszeiten verlangt werden, in anderen Wochen hingegen weniger, um den gesetzlichen Durchschnitt einzuhalten. Bestimmte Branchen wären dafür anfälliger als andere, beispielsweise die Süßwarenindustrie, Bäckereien und das Gastgewerbe, so Guido Zeitler, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Verdi warnt vor „Arbeitstagen von zwölf oder sogar 13 Stunden, solange der Wochendurchschnitt stimmt“. Das Problem ist, dass so viele Arbeitsstunden schlichtweg ungesund sind – körperlich und psychisch. Das derzeitige Arbeitszeitgesetz schützt Arbeitnehmer davor mit klaren Grenzen (festgelegt in § 3). Die geplante Reform der Bundesregierung in ihrer jetzigen Form tut das nicht.

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Social
Oskar Herbert