

Es ist zurzeit nicht leicht, Tourist zu sein. Wo man auch hinsieht, findet man Probleme. Der Krieg im Iran, der immer wieder aufzulodern scheint, gefährdet Langstreckenflüge, die im Nahen Osten einen Zwischenstopp einlegen müssen. Die Hitzewelle im Süden Europas erweist sich in zunehmendem Maße als tödlich für Menschen, die anhaltende Temperaturen über 40 Grad Celsius nicht gewohnt sind. Zudem haben mehr als ein Urlauber im vergangenen Jahr einen Teil seiner Ferien in Notunterkünften verbracht, weil Großbrände ihre Hotels und Ferienwohnungen umzingelt hatten. Jetzt kommt eine weitere Gefahr im Mittelmeer hinzu. Türkische und griechische Fischer schlagen Alarm über eine Invasion des äußerst beißwütigen Hasenkopf-Kugelfischs (Lagocephalus sceleratus), der auch vor Menschen nicht Halt macht.
Nervengift und scharfe Zähne
Der giftige Kugelfisch, der eigentlich in den warmen Gewässern des Pazifischen Ozeans zu Hause ist, hat nicht nur scharfe Zähne, sondern ist auch Träger des Nervengifts Tetrodotoxin (TTX). Tetrodoxin blockiert die Reizweiterleitung in den Nerven im menschlichen Körper und kann selbst durch Kochen nicht zerstört werden. Aufgrund des Klimawandels erhitzt sich das Mittelmeer zunehmend und bietet die idealen Verhältnisse für den giftigen, bissigen und höchst unerwünschten Einwanderer. Für die Fischerei bringt er enorme Probleme mit sich, denn der Hasenkopf-Kugelfisch frisst nicht nur die Netze leer, sondern zerstört sie gleichzeitig. Um die Sache noch schlimmer zu machen, werden besonders Fischer, die ihre Netze reinigen, dem Biss der Fische ausgesetzt. Fischer in der Türkei und in Griechenland berichten bereits von großen Einbußen beim täglichen Fang und ein Schwimmer wurde von der aggressiven Art gebissen. Weitere fünf Menschen benötigten ärztliche Behandlung, nachdem sie den Fisch verzehrt hatten.
Kopfgeld ausgesetzt
Da der Hasenkopf-Kugelfisch im Mittelmeer auf keine natürlichen Feinde trifft, stellt er eine große Gefahr für die Biodiversität der Region dar. Um den Bestand der Art zu verringern, haben sowohl die griechischen als auch die türkischen Behörden ein „Kopfgeld“ auf jeden gefangenen Hasenkopf ausgesetzt. Demnach sollen Fischer 5,33 Euro pro Kilogramm toter Hasenköpfe erhalten. Besonders in der Türkei hat sich dies als erfolgreich erwiesen, nachdem türkische Fischer bisher 290 000 tote Exemplare eingereicht hatten, um die Fangprämie zu erhalten. Dadurch wurde eine Erhöhung des Bestands auf rund 22 Millionen verhindert. Die Prämie ist allerdings ausschließlich professionellen Fischern vorbehalten und kann nicht von Urlaubern eingelöst werden.