Gespaltete Insel: Erdriss auf Sizilien erweitert sich unaufhörlich

Sizilien gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen in Europa und viele werden nicht nur von der hervorragenden lokalen Küche und den wunderschönen Stränden auf die Insel angezogen. Besonders die zerstörerische Kraft des Vulkans Ätna mit regelmäßigen Lavaströmen und rauchendem Krater ist bei Abenteuertouristen so beliebt, dass sie auch gerne im Nachhinein tagelange Flugverzögerungen aufgrund des Aschegehalts in der Luft in Kauf nehmen. Jetzt bahnt sich allerdings eine weitere Naturkatastrophe auf Sizilien an, die die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt und Teile der Insel in unschöne, tiefe Erdspalten aufteilt. Gerade ist es wieder zu einem riesigen Riss von etwa 60 Metern Länge gekommen und die Behörden in der sizilianischen Stadt Niscemi sind in Alarmbereitschaft. 

Unbekannte unterirdische Bedrohung

Im Januar war es in der Gemeinde mit über 24 000 Einwohnern im Südosten der Insel zu einem gewaltigen Erdrutsch gekommen, bei dem eine fünf Kilometer lange Schneise durch die Kleinstadt gerissen wurde. Dabei wurden mehrere Häuser in die Tiefe gerissen. Keiner kam aufgrund von erfolgreichen Frühwarnmaßnahmen bei der Naturkatastrophe ums Leben, aber mehr als 200 Familien mussten sich ein neues Zuhause suchen. Der Erdriss entstand, nachdem ein Sturmtief innerhalb kürzester Zeit große Regenmassen auf die Ortschaft entließ. Zum Entsetzen der Behörden in Niscemi entstehen zurzeit weitere beträchtliche Risse, ohne dass es zu Regen oder Stürmen kam. Forscher schließen daraus, dass eine bisher unerkannte unterirdische Bedrohung die Stadt weiterhin zum Sinken verurteilt. Im Augenblick könne man nichts weiter machen, als das betroffene Gebiet zu überwachen und weitere Massenevakuierungen anzuordnen, sollte sich die Situation durch unter anderem die Ankunft der herbstlichen Regenzeit verschlechtern.

150 Millionen für Wiederaufbau und Sicherheit 

Während spezialausgebildete Techniker die Risse jeden Tag vermessen und das Wetter im Auge behalten, sind viele der durch den Erdrutsch obdachlos gewordenen Familien noch nicht in einer neuen Bleibe untergekommen. Die Stadt und der italienische Staat wollen jetzt Mittel zur Verfügung stellen, damit die Menschen, deren Häuser und Habseligkeiten in den Abgrund gerutscht sind, neue Häuser, Wohnungen oder Grundstücke kaufen können. Die Gesamtkosten für die Sicherung der Stadt vor weiteren Erdrutschen und für den Wiederaufbau der verlorenen Häuser auf anderen Grundstücken außerhalb der Gefahrenzone belaufen sich auf 150 Millionen Euro. 

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Alexander Grünstedt