Iran-Krieg verschlechtert Griechenland-Türkei-Beziehungen beträchtlich

Sie gelten seit Jahrhunderten als die Erzfeinde schlechthin, und nur die gemeinsame Mitgliedschaft in der NATO hat wahrscheinlich im Laufe der letzten Jahrzehnten verhindert, dass ein direkter Krieg zwischen den beiden Nachbarländern ausgebrochen ist. Der Iran-Krieg führt jetzt allerdings zu einem Umdenken in der gesamten Mittelmeerregion. Die Länder, die dem Nahen Osten am nächsten liegen, beginnen damit, ihre Grenzen und den Luftraum mit neuen Waffen zu schützen. Jetzt droht der uralte Konflikt zwischen der Türkei und Griechenland wieder aufzuflammen. Ausgerechnet der Schutz vor iranischen Angriffen auf die autonome Inselnation Zypern bildet den Hintergrund für die neuerlichen Feindlichkeiten zwischen den beiden Mittelmeerriesen. 

Türkei direkt in der Schusslinie 

Das unabhängige Zypern wurde nach einer türkischen Invasion im Jahre 1974 in zwei Teile geteilt. Der südliche Teil der Insel wird immer noch von Zyprioten mit Wurzeln in Griechenland bewohnt, während die Türkei den nördlichen Teil völkerrechtswidrig besetzt. Nachdem zu Beginn des Krieges gegen den Iran eine iranische Drohne im griechischen Teil der Insel großen Schaden angerichtet hatte, eilte Griechenland den Zyprioten unmittelbar mit Kriegsschiffen und Kampfflugzeugen zu Hilfe. Gleichzeitig nahmen die Griechen den Angriff aus dem Iran zum Anlass, auch die anderen Grenzen des Landes mit neuen Militäreinrichtungen zu sichern. In der Türkei sieht man die neuerlichen Aufrüstungsbestrebungen des Nachbarn äußerst kritisch. Ein besonderer Dorn im Auge des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan sind neue Raketen, die auf mehreren ägäischen Inseln aufgetaucht sind und seiner Meinung nach die Türkei direkt in die Schusslinie platzieren.

Neue Eskalationsgefahr 

Die türkische Regierung reagierte jetzt auf die angenommene griechische Bedrohung, indem der militärische Stützpunkt auf Nordzypern gründlich aufgestockt wurde. Zudem berichtet Athen von einer zunehmenden Verletzung des griechischen Luftraums durch türkische Drohnen und Militärflugzeuge. Auch auf See kam es gerade zu einer unangenehmen Auseinandersetzung zwischen den beiden Ländern, nachdem ein türkisches Kriegsschiff ein Spezialschiff unter griechischem Schutz aufforderte, die Arbeiten an einem wichtigen Datenkabel einzustellen. Griechenland verteidigt die neuerlichen militärischen Aktivitäten mit den möglichen Bedrohungen aus dem Nahen Osten, insbesondere aus dem Iran und dem Libanon. Die Türkei vermutet aber einen Versuch der griechischen Regierung, die augenblickliche Krise in der Region als Entschuldigung auszunutzen, um einen eventuellen Schlag gegen den Nachbarn auszuführen. Die verbalen Schlagabtausche und Drohungen zwischen den beiden beliebten Urlaubsländern haben seit Beginn des Iran-Krieges in einem beängstigenden Maße zugenommen, wie auch die Waffen auf beiden Seiten der Grenzen. 

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Alexander Grünstedt