

Der verheerende Brand am Neujahrsmorgen in einem Nachtclub im Schweizer Crans-Montana hat 41 Menschen das Leben gekostet. Gleichzeitig wurden in der schrecklichen Brandnacht über 100 Gäste verletzt, und viele leiden immer noch an sowohl physischen als auch psychischen Folgen der unfassbaren Katastrophe.
Während die Ermittlungen gegen die Besitzer der Bar und die örtlichen Behörden ihren Gang nehmen, hat man in der Schweizer Hauptstadt Zürich schon die Berechnung für die Kosten der Rettungsaktion abgeschlossen. Ein großer Teil der Auslagen fällt auf die medizinische Behandlung der Opfer, die mit schweren Brandverletzungen in unterschiedliche Krankenhäuser auch in den angrenzenden Ländern Italien, Deutschland und Frankreich eingeliefert wurden. Jetzt führt genau diese internationale Zusammenarbeit, die im Ausgangspunkt dazu diente, Leben zu retten, zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Italien und der Schweiz.
Opfer über mehrere Länder verteilt
Bei den Rettungsarbeiten wurden die Opfer nämlich nicht basierend auf ihre Nationalität, sondern nach der Art der Verletzung auf die Krankenhäuser verteilt. Dabei wurden mehrere italienische Opfer in Kliniken in der Schweiz untergebracht, während Schweizer Opfer in italienischen Krankenhäusern behandelt wurden. Jetzt hat die Schweiz eine Rechnung für die Behandlung an die italienischen Opfer geschickt. Die Rechnungen belaufen sich insgesamt auf etwa 110 000 Euro und haben Empörung in Italien ausgelöst. Auch die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat Ihrem Ärger Luft gemacht und auf der Social-Media-Plattform „X“ bekannt gegeben, dass weder die betroffenen Familien noch die italienische staatliche Krankenkasse für die Krankenhausaufenthalte in der Schweiz aufkommen wird.
Grundsatz der Gegenseitigkeit
Auch der italienische Botschafter in der Schweiz hat bereits Beschwerde in Zürich eingelegt. In einer Stellungnahme in der italienischen Tageszeitung Repubblica sagte er: „Italien wird die Behandlungskosten für die Verletzten von Crans-Montana nicht übernehmen. Unser Land hat wochenlang die Behandlung von zwei Schweizer Bürgern im Krankenhaus Niguarda in Mailand übernommen und der Zivilschutz des Aostatals hat in den ersten Stunden der Tragödie mit einem eigenen Helikopter an den Rettungsmaßnahmen teilgenommen. Es gibt einen Grundsatz der Gegenseitigkeit, der respektiert werden muss.“
Balanceakt zwischen Recht und Moral
Gemäß der Neuen Zürcher Zeitung hat die Schweiz von einem juristischen Standpunkt aus das Recht, die medizinische Behandlung von den Ursprungsländern der Patienten einzufordern. Laut internationalen Absprachen schicken Krankenhäuser ihre Rechnungen an gemeinsame Krankenkassen-Agenturen, die diese dann an die Krankenversicherung im Heimatland der Patienten zur Kostenübernahme weiterleiten. Moralisch gesehen empfinden die Italiener die schweizerische Vorgehensweise als schändlich und inakzeptabel. Ob auch deutsche und französische Krankenhäuser Rechnungen für die Behandlung der Brandopfer ausgestellt haben, ist nicht bekannt.