Kahlschlag der deutschen Wertarbeit: Drei Traditionsriesen vor dem Fall

Die wenigsten Küchen in Deutschland haben nicht mindestens eines der Produkte der drei Riesen WMF, Rowenta oder Krups im Schrank oder auf der Arbeitsfläche. Die drei Marken gehören sowohl hierzulande als auch im Ausland zum Inbegriff der „deutschen Wertarbeit“ und werden international wegen ihrer hohen Qualität, ihres klassischen Designs und der Langlebigkeit der Produkte geschätzt.  

Die Wenigsten sind sich jedoch im Klaren darüber, dass die drei Marken sich schon seit mehr als zehn Jahren in ausländischen Händen befinden. Der französische Haushalts-Gigant SEB mit Sitz in Lyon ist der eigentliche Besitzer der drei deutschen Traditionsmarken und dort hat man gerade beschlossen, die Produktion von Küchen- und Haushaltsgeräten schwer einzuschränken. Zigtausende Arbeitsstellen in Deutschland stehen auf dem Spiel. 

Konkurrenz aus Asien belastet 

In einer Pressemeldung wies die Geschäftsleitung des französischen Haushaltsgiganten auf eine zunehmende Konkurrenz von Billigmarken aus Asien hin, die die globalen Märkte überfluten. Auch die Zölle des amerikanischen Präsidenten Donald Trump machen den Franzosen zu schaffen, weil diese den Verkauf der Haushaltsgeräte auf dem wichtigen amerikanischen Markt untergraben. Im vergangenen Jahr registrierte SEB starke Umsatzeinbußen von bis zu 25 Prozent. Um aufgebrachte Aktionäre zu beschwichtigen und den Fortbestand des Konzerns zu gewährleisten, müssen jetzt umfassende Einsparungen vorgenommen werden. Im ersten Umgang müssen 2100 Stellen gestrichen und mehrere Werke, darunter auch drei in Deutschland, sollen geschlossen werden. 

Gewerkschaften benachrichtigt 

Betroffen sind vorerst die Werke in Riedlingen und Hayingen in Baden-Württemberg und die rheinland-pfälzische Fabrik in Diez. Alle drei Werke gehören zur WMF-Gruppe, die erst im Jahre 2015 von den Franzosen übernommen wurde. Nach Angaben der SEB-Geschäftsführung wurden der Betriebsrat und die Gewerkschaften der betroffenen WMF-Belegschaft bereits über die Schließungspläne informiert. Auch im traditionellen Hauptsitz der einst so marktdominierenden WMF-Gruppe in Geislingen (Baden-Württemberg) breitet sich die Angst um die Arbeitsstellen aus. Dort arbeitet man seit zwei Wochen in Kurzarbeit, obwohl der Belegschaft zuvor garantiert wurde, dass die Kaffeemaschinenproduktion, die von dort aus betrieben wird, von den Sparmaßnahmen der französischen Muttergesellschaft ausgenommen ist. Während hierzulande die Arbeitnehmer um ihre Jobs bangen, gibt es dennoch auch Gewinner. Nach der Veröffentlichung der Nachricht über die Werksschließungen stieg der Wert der SEB-Aktien über Nacht um elf Prozent.

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Alexander Grünstedt