

In vielen Teilen Europas war 2026 ein außergewöhnlich heißes und vor allem trockenes Jahr. Das rächt sich nun. Landwirtschaftsminister Alois Rainer warnt vor einer „Krise von nationaler Tragweite“. Im Fokus steht eines unserer beliebtesten Grundnahrungsmittel: die Kartoffel.
Als Pommes, Püree, ofengebacken, als Salat und einfach als Zutat in vielen anderen Lebensmitteln: Kartoffeln landen fast täglich auf unseren Tellern. Und es gibt kaum anderes Gemüse, das Kartoffeln für uns einfach so ersetzen könnte. Umso besorgniserregender ist es, dass Experten berichten, dass Kartoffeln in den kommenden Monaten sehr teuer werden könnten.
Katastrophaler Ernteausfall
Die extreme Dürre, unter der Deutschland in diesem Jahr schon so lange leidet, hat katastrophale Auswirkungen auf die Ernten: Viele Landwirte haben große Schwierigkeiten, auch nur annähernd die erhofften Erträge zu erzielen. Wie ntv berichtet, könnten aufgrund schlechter Ernten in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden im Vergleich zum jeweiligen Fünfjahresdurchschnitt insgesamt bis zu rund 3,11 Millionen Tonnen Kartoffeln fehlen. Allein in Deutschland würden laut einer Schätzung der ECIU 1,13 Tonnen Kartoffeln weniger geerntet werden.
Verbrauchern steht Preisschock bevor
Die Auswirkungen auf die Preise dürften die Verbraucher besonders hart treffen, da im vergangenen Jahr ein Überangebot nach einer Rekordernte die Preise deutlich nach unten gedrückt hatte: Bei Verarbeitungskartoffeln beispielsweise lag der Preis pro Tonne im Jahr 2025 zwischen 80 und 150 Euro. In diesem Jahr wird ein Anstieg auf rund 240 Euro pro Tonne erwartet. Ähnlich verhält es sich bei Speisekartoffeln, deren Preis im vergangenen Jahr bei rund 150 Euro pro Tonne lag und nun mit Beginn der Erntesaison auf 270 bis 280 Euro pro Tonne gestiegen ist.
Der Grund dafür, dass gerade Kartoffeln so stark betroffen sind, liegt darin, dass sie viel Wasser benötigen. Einigen Schätzungen zufolge könnten bis zu 20 Prozent der diesjährigen Ernte verloren gegangen sein. Zu den weiteren Kulturen, die unter der Dürre gelitten haben, gehören Mais (13 Prozent Verlust EU-weit) sowie Sonnenblumen und Oliven (6 bis 7 Prozent Verlust); aber auch die diesjährige Weinproduktion dürfte stark beeinträchtigt sein, da die Dürre dazu geführt hat, dass deutlich kleinere Trauben gewachsen sind.
Vom Grundnahrungsmittel zum seltenen Genuss?
Die Verbraucher müssen sich daher auf Preissteigerungen gefasst machen. Kartoffeln können zwar notfalls aus anderen Ländern importiert werden, doch da viele europäische Länder mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen haben, wird die Nachfrage nach Importen groß sein. In Verbindung mit hohen Transportkosten, die durch anhaltend hohe Kraftstoffpreise bedingt sind, dürfte sich dies leider spürbar auf die Preise auswirken. Es könnte daher durchaus sein, dass wir uns damit abfinden müssen, dass Kartoffeln in den kommenden Monaten eher seltener auf unseren Tischen landen werden als bisher.