

Während Deutschland immer noch im Griff der Kältewelle festsitzt, hat der Zyklon „Harry“ im Süden Europas mit unaufhörlichen Regenfällen zu weitreichenden Überschwemmungen geführt. Vom Balkan bis auf die Balearen hinterließ der Sturm ein Band der Verwüstung, das gerade beseitigt werden muss. Auf der italienischen Urlaubsinsel Sizilien hatte „Harry“ aber weit gravierende Folgen. Dort lösten die Wassermassen einen massiven Erdrutsch aus, der die malerische Kleinstadt Niscemi dezimierte und einen ganzen Stadtteil unter Schlamm- und Geröllmassen begrub. Mehr als 1500 Anwohner wurden bisher evakuiert und mussten mitansehen, wie ihr Heim von den Erdmassen dem Erdboden gleichgemacht wurde.
Stadt verschwindet von der Karte
Mit den bereits entstandenen Schäden ist die Gefahr für die Stadt mit 25 000 Einwohnern aber längst nicht vorbei. Ein Sprecher für den italienischen Zivilschutz warnt jetzt davor, dass eine rote Gefahrenzone eingerichtet werden musste, die sich weit über den Unglücksort hinaus erstreckt: „Alle Häuser im Umkreis von 50 bis 70 Metern werden einstürzen“, sagt er zu dem Sender Rai. Insgesamt müsse die Bevölkerung damit rechnen, dass der Bruch, der sich bisher auf eine Länge von vier Kilometern erstreckt und Klippen von bis zu 50–55 Metern Höhe entstehen ließ, sich weiter ausbreitet und womöglich die ganze Stadt auslöschen wird. Niscemi ist zurzeit aufgrund des Erdrutsches von der Außenwelt abgeschnitten und kann nicht mehr auf herkömmlichen Zufahrtswegen erreicht werden.
Auf Sand gebaut
Nach Angaben von Geologen kann allerdings nicht die ganze Schuld dem Zyklon zugeschoben werden. Niscemi wurde demnach auf sehr ungünstigem Boden gebaut und die Katastrophe war vorherzusehen. „Dieses Gelände hebt sich ständig, und der sandige Boden ist durchlässig; Wasser dringt ein, und die Entwässerung ist aufgrund des darunterliegenden Tons schwierig. All das führt zu Instabilität“, sagte der italienische Geologe Giuseppe Caruso zu der Tageszeitung „Corriere della Sera“. Der Bürgermeister von Niscemi bezeichnete die Schäden als „unermesslich“, ist jedoch erleichtert, dass die Katastrophe ohne Verlust an Menschenleben eingetreten war.