Mega-Kreuzfahrtbetreiber meldet Insolvenz

Nicht jeder träumt von einem ruhigen und behäbigen Lebensabend, gefüllt mit Gartenarbeit, Wassergymnastik und allem dem, was der Katalog der örtlichen Volkshochschule zu bieten hat. Rentner gesünder als je zuvor und viele zieht die Abenteuerlust ins Ausland. Reiseveranstalter haben schon längst die große Geschäftemacherei mit Rentnern für sich entdeckt und bieten zunehmend maßgeschneiderte Auslandsaufenthalte für ältere Mitbürger.

Besonders attraktiv auch für deutsche Rentner sind die Angebote mehrerer Reedereien, die unendliche Kreuzfahrten zu exotischen Zielen anbieten, die oft über Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte lang, andauern. Wie riskant jedoch diese Art von Altersabenteuer verlaufen kann, zeigt sich jetzt mit einer ungeheuerlichen Insolvenz, die rund 200 Rentner unfreiwillig nach Kambodscha verschlagen hat. 

Traum zerbricht über Nacht 

Im Ausgangspunkt vertonte sich die Kreuzfahrt der „MV Odyssey“ wie ein Traum. Versprechen davon, jeden Tag woanders aufzuwachen, alle Mahlzeiten vorbereitet zu bekommen und zudem eine garantierte ärztliche Versorgung rund um die Uhr zu haben, gaben den Passagieren Anlass, die Kreuzfahrt für bis zu 15 Jahre zu buchen.  Der Preis für die Reise ins Abenteuer belief sich für viele auf Millionen und die meisten verkauften ihre Häuser, Unternehmen und Wertgegenstände, um den Traum verwirklichen zu können. Dreieinhalb Jahre lang ging auch alles gut, aber dann griffen die USA und Israel den Iran an, und die Treibstoffkosten explodierten. Statt der gewöhnlichen 1600 Euro pro Kabine im Monat musste der Reiseveranstalter „Villa Vie Residences“ jeden Monat 6800 Euro für den Betrieb des Schiffs aufbringen. Damit vertonte sich das Kreuzfahrtabenteuer als nicht mehr rentabel für die Betreiber, die Insolvenz angemeldet haben. Am vergangenen Dienstag wurden die Passagiere kurz nach der Ankunft in der kambodschanischen Hafenstadt Sihanoukville aufgefordert, ihre Sachen zu packen und ihre Kabinen innerhalb weniger Stunden zu räumen. 

Ungewisse Entschaedigung 

Die geschockten Passagiere der „MV Odyssey“ kommen aus einem Dutzend Ländern, in die sie jetzt zurückkehren sollen. Für viele bedeutet die Insolvenz eine persönliche Katastrophe, die mit Altersarmut und in manchen Fällen in Obdachlosigkeit enden könnte. Eine kleine Hoffnung bleibt, denn die Geschäftsleitung von „Villa Vie Residences“ hat bekannt gegeben, dass man vor einer endgültigen Pleite einen Umstrukturierungs- und Rekapitalisierungsplan ausarbeiten wird, der eine gewisse Entschädigung für sowohl die Passagiere als auch die Crew beinhalten wird. 

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Alexander Grünstedt