NATO-Land stockt Putins Schattenflotte auf

Russlands hybride Kriegsführung nimmt ständig zu und kommt aus zunehmend undurchsichtigeren Quellen. Dabei spielt besonders die russische Schattenflotte eine große Rolle. Die rostigen, zum größten Teil international als seeuntüchtig angesehenen Tankschiffe stellen eine enorme Gefahr für die globale Schifffahrt und Küstenstreifen dar, weil sie ständig Gefahr laufen, auseinanderzubrechen und giftiges Öl oder Chemikalien in die Weltmeere zu entlassen.

Gleichzeitig ist Putins Kriegsmaschinerie abhängig von diesen rostigen Riesen, denn sie transportieren Öl und Chemikalien in Länder, die es mit Sanktionen gegen Russland nicht so genau nehmen. Die EU, Großbritannien und die Vereinigten Staaten sind im Laufe der letzten Monate verstärkt gegen die russische Schattenflotte vorgegangen und haben mehrere der rund 600 sanktionierten Schiffe aus dem Verkehr gezogen. Jetzt zeigt sich aber, dass militärische Interventionen, die diese Tanker weltweit festlegen, im Grunde nur illusorisch sind. Für jeden russischen Tanker der Schattenflotte, der im Westen ausrangiert wird, bekommt Putin sofort Ersatz – und das ausgerechnet aus vornehmlich einem NATO- und EU‑Land.

Verrat aus den eigenen Reihen 

Eine genaue Untersuchung über die Herkunft der Schattenflotten-Tanker hat jetzt ergeben, dass der größte Anteil aus Griechenland kommt. Dabei handelt es sich nicht nur um Schiffe, die vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine verkauft wurden. Seit dem Jahre 2022, in dem die ersten Sanktionen gegen die Schattenflotte erlassen wurden, haben griechische Reedereien 165 lecke Tanker an die Russen weitergegeben, die sonst nirgendwo in der Welt zugelassen werden konnten. Die Angaben kommen aus einer Untersuchung, die ein internationales Konsortium aus Journalisten und Mediengruppen, darunter auch die deutschen Sender WDR und NDR sowie die Süddeutsche Zeitung, vorgenommen hat. Russland bezahlte den Griechen rund 4,4 Milliarden Euro (5 Milliarden US-Dollar) für den Gefallen. Kein einziges der verkauften Schiffe war jünger als 20 Jahre. Der griechischen Regierung ist der Verkauf bekannt, sie will aber nichts dagegen unternehmen, denn der Schifffahrtssektor gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen und involviert rund 700 der mächtigsten Familien des Landes.

Auch deutsche Reedereien beteiligt 

Obwohl die Mehrzahl der Schattenflotten-Schiffe aus Griechenland kommt, haben sich auch deutsche Reedereien an dem massiven Verkauf an Russland schuldig gemacht. Elf der Schiffe, die gerade die deutsche Küste an der Ostsee unsicher machen, wurden von der Salamon AG in Dortmund, der Hamburger Reederei Schulte und Chemikalien Seetransport GmbH, der Mönchengladbacher Beteiligungsgesellschaft Gebab sowie der Comfort Treuhand GmbH aus Haren an der Ems nach Russland geliefert. Die deutschen Reedereien streiten die Anschuldigungen ab und insistieren darauf, dass sie die Käufer ihrer Schiffe recherchiert hatten. Allerdings fahren die wenigsten der Schiffe der Schattenflotte unter russischer Flagge. Hinzu kommt ein undurchsichtiger Verkaufsablauf. Um EU-Regeln zu umgehen, werden die Schiffe über Mittelsmänner im Nahen Osten, insbesondere Dubai, angeboten. Dass es sich bei den Käufern um Russen handelt, wisse allerdings laut Insidern in der Schifffahrtsbranche jeder. Russland bietet nämlich im Abstand die höchste Summe für den gefährlichen Schrott.

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Alexander Grünstedt