

Die Todesstrafe ist zwar universal umstritten, gehört aber in vielen Ländern immer noch zu den zentralen Bestandteilen des Rechtssystems. In den meisten Fällen sind es totalitäre Regime und Autokratien, die Hinrichtungen von Kriminellen sowie Oppositionellen durchführen lassen. Allerdings gehen diese Hinrichtungen zumeist hinter verschlossenen Türen vor und können nur von speziell eingeladenen “Gästen” sowie den Vollstreckern angesehen werden. Die Ausnahmen waren bisher der Iran und Afghanistan, wo öffentliche, oft im Fernsehen übertragene Vollstreckungen der Todesstrafe als Abschreckung für die Bevölkerung gezeigt werden. Jetzt fügen sich auch die Vereinigten Staaten in diesen zweifelhaften Verein der Zurschaustellung von Todesqualen ein. Der Anlass ist die Hinrichtung des US-amerikanischen Soldaten Nidal Hasan, der nach einer Radikalisierung im Jahre 2009 13 Menschen auf einem Militärstützpunkt in Texas ermordete.
Hegseth macht islamistische PR
Unter der Regierung Trumps haben sich die Hinrichtungen in allen Bundesstaaten, die noch die Todesstrafe zulassen, gehäuft. Sowohl Trump als auch sein Kriegsminister Pete Hegseth, ein ehemaliger Moderator des rechten Nachrichtenkanals Fox News, sind Anhänger der Todesstrafe und befürworten lautstark eine schnellere und effektivere Handlung der Hinrichtung. Der Entschluss Hegseths, die Hinrichtung Hasans durch ein Erschießungskommando live im Internet und im Fernsehen zu streamen, erregt jetzt nicht nur Aufsehen weltweit, sondern auch in der Partei des Ex-Moderators. Mehrere republikanische Abgeordnete und Senatoren haben sich jetzt öffentlich und mit Abscheu gegen die Pläne des Kriegsministers ausgesprochen. Dazu gehört der mächtige Vorsitzende des US‑Repräsentantenhauses, Mike Johnson (Republikaner), der befürchtet, dass die Aufnahmen in Zukunft für Rekrutierungsvideos islamistischer Extremisten genutzt werden.
Trump und Vance nehmen Abstand
Johnson ist mittlerweile nicht mehr der Einzige unter den höher gestellten Politikern, der Bedenken an der öffentlichen Hinrichtung meldet. Obwohl Trump als Verfechter der Todesstrafe gilt, hat er nach lautstarken Protesten und Abscheubekundungen beteuert, dass er nichts mit der umstrittenen Entscheidung zu tun hat. Auch Vize-Präsident J. D. Vance hat Abstand von der Entscheidung genommen und bezweifelt, dass es zu dem Livestream kommen wird. Sowohl Vance als auch Mike Johnson haben verkündet, dass sie sich einen Livestream mit der Erschießung Hassans auf gar keinen Fall ansehen werden.