

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine läuft im Augenblick nicht besonders vorteilhaft für die russischen Streitkräfte. Insbesondere der neuerliche Einsatz von Robotern und die ständige Verbesserung und Aktualisierung der Drohnentechnologie seitens der Ukrainer machen den Russen zu schaffen. Seit neuestem erlauben sich die Russen eine neue Taktik, die die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzt. Bei den Luftangriffen auf Ziele in der Ukraine geraten nämlich immer mehr die vier Atomkraftwerke, die sich im Land befinden, in den Fokus des russischen Militärs. Im Laufe der letzten Wochen wurden mehrere russische Raketen gesichtet, die entweder direkt über die Atomkraftwerke flogen oder in der Nähe einschlugen. Bekräftigt werden diese Sichtungen und Vorfälle von der unabhängigen Internationale Atomenergiebehörde (IAEA).
Einschläge in 10 Kilometer Entfernung
Besonders dramatisch ist die Situation in der Region Chmelnyzkyj im Herzen der Ukraine. Dort wurden innerhalb kürzester Zeit drei russische Raketeneinschläge nur etwa zehn Kilometer von dem lokalen Atomkraftwerk registriert. Bei den Raketen handelt es sich um die russischen Hyperschallflugkörper Kinzhal, auf die Putin besonders stolz ist. Diese Raketen können aus der Luft abgefeuert und mit Sprengköpfen von bis zu 500 Kilogramm ausgestattet werden. Kinzhal-Raketen erreichen eine Geschwindigkeit von 6500 Kilometern pro Stunde und legen in wenigen Sekunden fünf Kilometer zurück. Die ukrainische Luftabwehr streitet auf das Schärfste ab, die Raketen abgefangen oder abgeschossen zu haben, und beschuldigt Russland, in einem rücksichtslosen Angriff zum Zwecke der Einschüchterung und Terrorisierung absichtlich auf den Reaktor zu zielen.
Auch Tschernobyl im Fokus
Neben dem besonderen Fokus auf das Atomkraftwerk in Chmelnyzkyj, in dem sich zwei aktive Reaktoren befinden, haben die Ukrainer und die IAEA seit 2024 mindestens 92 russische Drohnen erfasst. Diese sollen in der Regel in einem Umkreis von bis zu fünf Kilometern um die Strahlenschutzhülle des Kraftwerks Tschernobyl geflogen sein. Bereits im Februar 2025 kam es zu einem Einschlag einer russischen Drohne in Tschernobyl. Dabei wurde der Schutzschild schwer beschädigt, der radioaktive Leckagen in die Atmosphäre verhindern soll. Auch die beiden anderen Atomreaktoren, die sich noch unter ukrainischer Führung befinden, melden verstärkte Drohnenniederschläge in der näheren Umgebung. Die IAEA hat jetzt die russischen Angriffe verurteilt und auf die weitreichenden Folgen hingewiesen: „Geplante Flüge von (Drohnen) mit einem leistungsstarken Sprengkopf über eine Nuklearanlage sind zumindest äußerst unverantwortlich und zeugen von einer völligen Missachtung … der Sicherheit der Zivilbevölkerung nicht nur in der Ukraine, sondern in ganz Europa“, heißt es von der Atombehörde.