

Die Wahlen zum russischen Parlament, der Duma, sind im vollen Gang und während diese sich im Westen als illusorisch und korrupt vertonen, steht dennoch einiges auf dem Spiel für das Landesoberhaupt Wladimir Putin. Zwar stehen nur von ihm im Voraus anerkannte Namen auf dem Wahlzettel, aber für den Kreml und Putins regierende “Einiges Russland”-Partei könnte es dennoch knapp werden, um die für die Regierung notwendige Zweidrittelmehrheit zu erlangen. Der Unmut in der Bevölkerung über die Folgen des Krieges in der Ukraine, die ständigen von Putin angeordneten Internetsperren und der Mangel an fast allem, was den Alltag erträglich macht, könnten an den Urnen gegen die Partei einen Ausschlag geben. Dabei hat Putin den Anlauf auf die Wahlen und den garantierten Wahlsieg gut vorbereitet und schreckt dabei auch nicht vor Massenmord zurück. Mindestens 44 Menschen sind seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine im Jahre 2022 der Machtscharade des Kreml-Autokraten zum Opfer gefallen.
Europa wird Schauplatz für russische Morde
Russland hat seit den Zeiten der Sowjetunion, besonders unter Stalin, eine lange Tradition, politische Andersdenkende aus dem Weg zu räumen. Der russische Geheimdienst, einst KGB, jetzt GRU, spielt dabei eine entscheidende Rolle und hat sich als äußerst effektiv erwiesen, auch flüchtige Dissidenten im Ausland aufzutreiben und zu ermorden. Erst im Juni wurde wieder ein russischer Regimegegner, der Künstler und Satirist Semyon Skrepetsky, von “Unbekannten” auf einem Parkplatz in Polen erschossen. Anfang des Jahres erlitten das russische Unternehmer-Paar Lyubov Strelkova und Alexander Sheromov innerhalb von sechs Tagen einen unerklärlichen Tod auf Zypern und in Barcelona. In allen drei Fällen sind sich die europäischen Ermittler sicher, dass es sich um politische Morde handelt, die vom russischen Geheimdienst GRU auf Anordnung Putins ausgeführt wurden.
Ungewöhnliche Selbstmorde
Gleichzeitig ist es im Laufe der vergangenen vier Jahre auch zu einer Reihe von mysteriösen Todesfällen innerhalb Russlands Grenzen gekommen, die selbst die russische Bevölkerung beunruhigen und Auswirkungen auf die Wahlen haben könnten. Auffällig viele der Mordopfer, darunter Oligarchen, Künstler, Militärangehörige und Politiker aus Putins eigenen Kreisen, sind dabei aus Fenstern gefallen. Die sich häufenden politischen Morde haben in der Bevölkerung und in westlichen Medien den Namen „Russisches Plötzlicher-Tod-Syndrom“ erhalten. Am bekanntesten ist der Mord an dem russischen Oppositionspolitiker Alexei Navalny, der laut russischen Behörden an “Herzversagen” verstarb, dessen Körper aber bei einer Obduktion hohe Giftwerte aufwies. In Russland selbst erregte der “Selbstmord” des hochrangigen russischen Offiziers Wadim Boiko, der sich im Jahre 2022 selbst angeblich mit fünf Kugeln umgebracht haben soll.