

Nachdem der ehemalige ungarische Ministerpräsident und Putin-Vertraute Viktor Orbán vor wenigen Wochen eine bittere Wahlniederlage erlitt, kamen überraschend zurückhaltende Reaktionen aus Moskau. Der russische Präsident bedauerte zwar den Verlust seines besten Agenten innerhalb der Europäischen Unionen, schlug aber ansonsten versöhnliche Töne gegenüber dem neuen Ministerpräsidenten Péter Magyar an. Wie so oft bei dem umstrittenen russischen Präsidenten trügte allerdings das friedfertige Bild, und rund 100 000 ethnische Ungarn in der Ukraine sollen jetzt dafür bezahlen. Seit letzte Woche hat Russland zum ersten Mal seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine einen gezielten Drohnenangriff auf das ukrainische Gebiet Transkarpatien geflogen und die dort wohnenden Ungarn in die Bunker gezwungen.
Dreiste Einschüchterungsversuche
Die russischen Angriffe auf Transkarpatien kommen zur gleichen Zeit, zu der Péter Magyar sein neues Amt als ungarisches Staatsoberhaupt übernommen hat. Während Orbáns Amtszeit als Ministerpräsident hatte Putin es betont vermieden, Angriffe zu bewerkstelligen, die die ungarische Minderheitsbevölkerung in dem betroffenen Gebiet beeinträchtigen könnten. Transkarpatien liegt zudem an der ungarischen Grenze und Putin wollte verhindern, dass Drohnen auf Abwegen in das Hoheitsgebiet seines Freundes eindringen könnten. Damit ist jetzt aber Schluss. Laut Experten dienen die gezielten Angriffe auf Transkarpatien der Einschüchterung Magyars, um zu verhindern, dass sich dieser zu sehr auf die Seite der Ukrainer schlägt.
Scharfe Reaktion aus Budapest
Die Antwort aus der ungarischen Hauptstadt ließ nicht lange auf sich warten. Nur wenige Stunden, nachdem eine russische Drohne in dem transkarpatisch-ungarischen Grenzort Tschop die Bevölkerung in Schutzkeller gejagt hatte, wurde der russische Botschafter in Ungarn vorgeladen, um die Beschwerden der neuen ungarischen Regierung entgegenzunehmen. Dabei verurteilte der neue Ministerpräsident Magyar den Angriff auf Transkarpatien „entschieden“ und hinterfragte gleichzeitig, wann Russland und Wladimir Putin „diesen blutigen Krieg endlich beenden“ wollen. Die neue kritische Haltung Ungarns gegenüber Russlands wurde mit viel Dankbarkeit in der Ukraine wahrgenommen. „Danke für Ihr Mitgefühl und Ihre starke Haltung!“, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an Magyar auf der sozialen Medienplattform „X“.