Russland vollzieht gefährliche Wendung im Ukraine-Krieg

In letzter Zeit scheint sich der Krieg in der Ukraine endlich zugunsten der Verteidiger zu entwickeln. Die Ukraine konnte mehrere erfolgreiche Angriffe gegen den russischen Aggressor verzeichnen, doch nun wird von einer äußerst besorgniserregenden Entwicklung berichtet: einer Wendung, die diesen Krieg noch bedrohlicher machen könnte.

Anlass ist eine kürzlich abgegebene Erklärung des Kremls: Nur wenige Worte, doch sie könnten alles verändern.

Aussage des Kremls alarmiert Experten
Der österreichische Militärexperte Markus Reisner spricht von einer „entscheidenden Wendung in diesem Konflikt“, die äußerst gefährliche Folgen haben könnte: In einem kürzlichen Gespräch mit dem russischen Medium „Vesti“ sagte Kreml-Sprecher Peskow, dass in der Ukraine nun ein „regelrechter Krieg im Gange“ sei. Die militärische Sonderoperation habe sich zu einem ausgewachsenen Krieg entwickelt.

Ja, und? Viele Leser werden sich fragen, was daran so besonders ist. Schließlich tobt aus unserer Sicht der Krieg in der Ukraine nun schon seit über vier Jahren. Russische Vertreter haben jedoch stets darauf bestanden, dass es sich um eine „militärische Sonderoperation“ handele. Dahinter steckt ein Grund, wie Reisner gegenüber ntv erklärt, und deshalb ist diese Änderung der Wortwahl so beunruhigend.

Bewusste Wortwahl lässt nichts Gutes ahnen
In der russischen Militärsprache gelten unterschiedliche Definitionen von Konflikten: Ein Krieg ist dabei viel umfassender als eine militärische Sonderoperation. Je nach Stufe gibt es lokale, regionale, große und globale Kriege. Laut Reisner könnte bereits der Übergang von einem regionalen (Stufe 2) zu einem großen (Stufe 3) Krieg nach russischer Militärlogik den Einsatz von Atomwaffen bedeuten.

Warnung an die USA
Es ist unklar, auf welche Kriegsstufe sich Peskow bezog. Der österreichische Militärexperte ist der Ansicht, dass die bewusste Wortwahl nicht nur auf einen Wandel im Kreml hindeutet, sondern auch ein klares Signal senden sollte. Der Kreml macht nicht nur die Ukraine für die Auswirkungen verantwortlich, unter denen die russische Bevölkerung leidet, sondern auch den Westen, der die ukrainischen Angriffe gegen Russland unterstützt. Peskow gab seine Erklärung zudem kurz vor dem NATO-Gipfel ab, und Reisner geht davon aus, dass damit eine Warnung an die USA beabsichtigt war: Russland sei bereit, den Konflikt weiter zu eskalieren. Wie diese Eskalation aussehen könnte, ist angesichts der Zusagen, die Donald Trump der Ukraine in dieser Woche gemacht hat – darunter die Erlaubnis für die Ukraine, eigene Patriot-Raketen herzustellen, wofür die USA Ausbildung und Technologie bereitstellen werden –, ungewiss.

Foto: Пресс-служба Президента РФ, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

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Oskar Herbert