Russlands Shattenflotte aus dem Verkehr gezogen

Der Krieg gegen den Iran und die damit verbundene Brennstoffkrise sind besonders für Russland ein willkommener Glücksfall. Die russische Staatskasse ist leer und Putin hat sich in der letzten Zeit auf eine Bettelrunde unter den unfassbar reichen Oligarchen begeben müssen, um dort Gelder einzutreiben. Jetzt plötzlich steht ganz Asien vor der Tür, und ist willig, alle guten Vorsätze und die Unterstützung für die Ukraine über Bord zu werfen, nur um an Öl und Gas heranzukommen. Gleichzeitig steigt der globale Preis für fossile Rohstoffe auf nie zuvor gesehene Preisniveaus und Putin könnte wirklich das Geld hereinschaufeln. Das Problem ist, dass das Öl auch an die Ziele in Asien transportiert werden muss, und zwar über die gewöhnliche Route durch die Ostsee. Diese ist aber gerade, wie auch die Straße von Hormus, durch Angriffe blockiert. 

Schiffe bleiben leer in Häfen liegen 

Die meisten der Schiffe der Schattenflotte, Russlands enormer Fuhrpark an altertümlichen, rostigen und äußerst zerbrechlichen Öltankern, verlassen in der Regel die Häfen im Bereich von St. Petersburg, um Öl in die ganze Welt auszuliefern. Aber gerade in diesem Gebiet haben die ukrainischen Streitkräfte im Laufe der letzten Wochen ihre Drohnenangriffe verstärkt. Dank neuer und größtenteils auch weitaus billigerer Technologie, vom deutschen Rheinmetall-Boss auch „Lego-Bauteile, die von Hausfrauen zusammengebastelt werden“ genannt, können ukrainische Drohnen jetzt halb Russland überqueren, um ihre endlichen Ziele zu erreichen. Damit gerät nicht nur die Schattenflotte zunehmend in Gefahr, sondern auch russische Gewässer. Laut Angaben der internationalen Umweltschutzorganisation Greenpeace, die die Schattenflotte unter kontinuierlicher Beobachtung halten, haben in den vergangenen Tagen sehr wenige und ausschließlich leere russische Tankschiffe, den Ostseeraum passiert. Die meisten liegen leer vor Anker im St.-Petersburg-Raum. 

Estland wird zur Problemzone 

Aufsehenerregend für internationale Beobachter ist jedoch, dass aufgrund der enormen Menge viele der russischen Tanker ausgerechnet auf Liegeplätze an der estnischen Küste ausweichen. In der estnischen Regierung in Tallinn ist man darüber besorgt, fühlt sich aber machtlos gegenüber der frechen russischen „Belagerung“. Zum einen ist man auch in Estland als EU-Mitgliedsland an den Schattenflotten-Boykott gebunden. Zum anderen wollen die Esten, die selbst über keine nennenswerten eigenen Streitkräfte verfügen, Russland und Putin durch eine Beschlagnahmung der Tanker aufbringen. „Das Risiko einer militärischen Eskalation ist einfach zu hoch“, sagte ein estnischer Marinekommandant gegenüber dem Nachrichtenbüro Reuters. Putin hat vor wenigen Tagen bereits konkrete Drohungen gegen das Baltikum ausgesprochen, mit der Behauptung, dass die Länder der Ukraine ihren Luftraum zur Verfügung stellen, um die Ziele in St. Petersburg zu erreichen. Eine Beschlagnahmung der Schiffe vor der estnischen Küste könnte da leicht das Fass zum Überlaufen bringen. Neben der Ukraine haben allerdings jetzt auch Großbritannien und Frankreich den rostigen Seeriesen den Kampf angesagt und setzen vermehrt Schattenflotte-Tanker vor ihren Küsten fest. 

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Alexander Grünstedt