

Bei jeder großen finanziellen Entscheidung, die volljährige, in Deutschland lebende Bürger treffen, mischt sich die beinahe übermächtige Institution Schufa ein. Der sogenannte Bonitäts-Score, der von dem Dienstleister erstellt wird, bildet bei Banken, Vermietern und Händlern die Grundlage dafür, ob ein Kredit gegeben, eine Wohnung gemietet oder ein Auto gekauft werden kann. Wer einen schlechten Bonitäts-Score hat, wird oft auf den unteren Rand der Gesellschaft verwiesen und benötigt oft Jahre, um sich aus der Misere herauszuarbeiten.
Der einzige Trost war bisher, dass Einträge, die den Bonitäts-Score nachteilig beeinflussen, verjähren und aus dem Register gestrichen werden. Das glaubte man wenigstens bisher, denn jetzt zeigt sich, dass die Schufa neben dem offiziellen Register auch eine sogenannte Schattendatenbank betreibt, die ebenfalls an Finanzdienstleister, Wohnungsunternehmen und Einzelhändler verkauft wird.
68 Millionen betroffen
Laut einer Untersuchung des NDR und der Süddeutschen Zeitung befinden sich längst verjährte Daten aller in Deutschland lebenden Bürger in diesem Schattenregister, die oft ein weitaus trüberes Bild von den finanziellen Verhältnissen von Schufa-Erfassten aufweisen als die augenblicklichen Eintragungen. Nach Angaben der Schufa werden diese historischen Eintragungen ausschließlich zum Training von neuen Betriebssystemen eingesetzt und nicht als Grundlage für Entscheidungen über Kredite oder Mietverträge: „Sie dienen der Weiterentwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Dazu zielen auch Tests neuer Score-Modelle. Bevor Unternehmen einen neuen Bonitätsscore in ihrem Tagesgeschäft einsetzen, testen sie ihn.“ Für die Zuverlässigkeit dieser Aussage kann die Schufa allerdings nicht garantieren, denn in dem Augenblick, in dem die Daten an den Kunden weitergegeben werden, verliert die Auskunftei die Gewalt darüber, was weiterhin mit den Informationen geschieht. „Gesetzeswidrig“, sagt jetzt die gemeinnützige Datenschutzorganisation NOYB, die bereits die amerikanischen Techgiganten Google, Microsoft, Meta und X erfolgreich um Milliarden verklagt hat. Nun muss auch die Schufa vor Gericht, und für rund 68 Millionen, das sind alle volljährigen Bundesbürger, die im Schufa-Register stehen, geht es um Schadensersatz.
Sammelklage könnte ruinös enden
Die Schufa musste bereits zugeben, dass sie historische Daten nicht laut dem Gesetz gelöscht hat und es gleichzeitig unterließ, die Betroffenen von der Aufrechterhaltung ihres Profils in einem Schattenregister zu unterrichten. Damit verstößt die Wirtschaftsauskunftei laut der NYOB gegen die europäische Datenschutzgrundverordnung. Die Schufa wurde jetzt aufgefordert, die alten Daten sofort zu löschen, ansonsten bereitet die Organisation eine Sammelklage vor, die potenziell 68 Millionen Bundesbürger betreffe. Sollte die Schufa schuldig gesprochen werden, müsste sie voraussichtlich Insolvenz anmelden. Selbst mit einem kleinen Betrag an Schadensersatz, der an 68 Millionen Opfer ausgezahlt werden muss, könnte sich für die Auskunftei, die 1927 als „Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung“ gegründet wurde, als ruinös erweisen.