

Andere Länder haben den Weg gezeigt, nun ist Deutschland an der Reihe: Der Verkauf bestimmter, beliebter alkoholischer Getränke soll stark eingeschränkt werden und künftig sollen sie nur noch in speziellen Verkaufsstellen erhältlich sein.
Alkoholkonsum ist eine der größten vermeidbaren Gesundheitsgefahren. In einer Zeit, in der das deutsche Gesundheitssystem schwer zu kämpfen hat, ist dies ein Aspekt, der schon lange im Voraus verhindert werden könnte. Natürlich kann man den Bürgern das Recht auf den Kauf von Alkohol nicht vollständig nehmen, aber man kann ihn deutlich erschweren.
Deutsche konsumieren besorgniserregende Mengen an hochprozentigem Alkohol
Das ist die dringende Empfehlung des Marburger Bundes, Deutschlands größtem Ärzteverband. Zahlreiche Krankheiten stehen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum, doch eine Flasche Alkohol zu kaufen ist so einfach wie Milch oder Eier. Manchmal sogar noch einfacher.
Die Sorge des Marburger Bundes ist berechtigt. Unter den europäischen Ländern rangiert Deutschland im oberen Drittel der Liste der Länder mit dem höchsten Konsum an hochprozentigem Alkohol: Die Rede ist von nicht weniger als 11 bis 13 Litern Spirituosen pro Kopf und Jahr. Der Spirituosen-Verband meldete für das Jahr 2024 einen Absatz von sage und schreibe 680 Millionen Schnapsflaschen mit 0,7 Litern Füllmenge, was zu einem Gesamtumsatz von 4,9 Milliarden Euro führte und Spirituosen zu einer der profitabelsten Produktkategorien im Lebensmitteleinzelhandel machte, wie der Merkur berichtet.
Gleichzeitig wurden im Jahr 2024 rund 283.500 Patienten stationär im Krankenhaus aufgrund von ausschließlich alkoholbedingten Diagnosen behandelt. 44.000 Menschen starben.
Verkauf von hochprozentigem Alkohol soll eingeschränkt werden
So kann es nicht weitergehen, meint der Marburger Bund. Der Ärzteverband fordert ein Verbot des Verkaufs von hochprozentigem Alkohol in Supermärkten, Tankstellen und Kiosken. Nach dem Wunsch der Ärzte sollen Schnaps und andere Spirituosen künftig nur noch in speziell lizenzierten Verkaufsstellen erhältlich sein. Unter den europäischen Ländern, in denen solche Regeln bereits gelten, sind Schweden, Finnland und Island.
Schluss mit dem begleiteten Alkoholkonsum
Zudem unterstützt der Ärzteverband die Initiative des Gesundheitsministeriums, dem begleiteten Alkoholkonsum ein Ende zu setzen. Derzeit dürfen Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren in Begleitung eines sorgeberechtigten Erwachsenen Bier, Wein und Sekt trinken. Studien zufolge kann Alkoholkonsum in jungen Jahren jedoch zu einem erhöhten Risiko für spätere Abhängigkeitserkrankungen führen.
Kosten im Gesundheitswesen liefern starkes Argument
Warum sollten in diesem Land gerade jetzt Maßnahmen zur Eindämmung des Alkoholkonsums ergriffen werden? Was der Forderung der Ärztekammer derzeit zusätzliches Gewicht verleiht, ist nicht nur die steigende Zahl von Patienten mit alkoholbedingten Erkrankungen, sondern auch die zunehmende Belastung des Gesundheitssystems.
Die direkten Kosten für das Gesundheitssystem durch alkoholbedingte Erkrankungen belaufen sich auf 16,59 Milliarden Euro pro Jahr. Und das ist noch nicht alles: Wie das Bundesgesundheitsministerium berichtet, verursacht der Alkoholkonsum in Deutschland jährlich volkswirtschaftliche Folgekosten in Höhe von rund 57 Milliarden Euro. Zahlen, die schlichtweg schockierend sind und zweifellos entsprechende Beachtung finden werden.