

Sie kommen heimlich mit der Post – und bleiben jahrelang. Ein kleiner Schädling wird zur neuen Plage in Deutschland.
Sie rascheln nicht, sie stechen nicht – und trotzdem sorgen sie für wachsende Sorgen in Wohnungen, Büros und Archiven: Papierfischchen breiten sich in Deutschland immer stärker aus. Die kleinen, flügellosen Insekten sind vielen Menschen unbekannt, weil man sie fast nie zu Gesicht bekommt. Den Schaden, den sie hinterlassen dafür schon. Fachleute sprechen längst von einem neuen Alltagsproblem in Innenräumen.
Papierfischchen (Ctenolepisma longicaudata) sind nahe Verwandte der Silberfischchen, unterscheiden sich aber in einem entscheidenden Punkt: Sie brauchen keine feuchte Umgebung. Während Silberfischchen vor allem im Bad leben, fühlen sich Papierfischchen auch in trockenen Wohn- und Schlafräumen wohl. Moderne, gut gedämmte Gebäude mit gleichmäßigen Temperaturen sind für sie nahezu ideal.
Vom blinden Fleck zum bundesweiten Phänomen
Erste Nachweise in Deutschland gab es Anfang der 2000er-Jahre. Seitdem nehmen Sichtungen deutlich zu – quer durch alle Bundesländer. Besonders häufig melden Mehrfamilienhäuser, Verwaltungen, Bibliotheken und Museen Probleme. Einschleppung erfolgt meist unbemerkt: über Kartons, Online-Bestellungen, Umzugskisten oder gebrauchte Bücher.
Tückisch ist ihre Lebensweise. Papierfischchen können bis zu sieben Jahre alt werden und vermehren sich langsam, aber stetig. Ein Befall bleibt deshalb oft monatelang unentdeckt – bis plötzlich mehrere Tiere gleichzeitig auftauchen.
Keine Gefahr für Menschen – aber für Bücher und Akten
Gesundheitlich sind Papierfischchen harmlos. Sie übertragen keine Krankheiten und greifen Menschen nicht an. Ihr Schaden ist ein anderer: Sie ernähren sich von Cellulose und Stärke – also genau den Stoffen, aus denen Papier, Karton, Tapeten, Fotos oder Bucheinbände bestehen. Für Archive und Museen gelten sie inzwischen als ernstzunehmender Materialschädling.
Warum das Problem weiter wächst
Experten rechnen nicht mit einem Verschwinden der Art. Steigende Innentemperaturen, globaler Warenverkehr und veränderte Wohnbedingungen begünstigen ihre Ausbreitung. Papierfischchen gelten mittlerweile als dauerhafte Begleiter moderner Wohnkultur.
Wie schützt man sich vor Papierfischchen?
Papierfischchen sind kein Grund zur Panik – aber ein Problem, das man ernst nehmen sollte. Wer früh reagiert, kann größere Schäden vermeiden. So beugen Sie vor:
Papier und Bücher nicht offen lagern
Ritzen, Fußleisten und Steckdosen abdichten
Klebefallen zur Kontrolle einsetzen
Bei starkem Befall frühzeitig Fachbetriebe einschalten
Haben Papierfischchen sich erst einmal in den Ritzen der Wohnung breitgemacht und vermehrt, hilft fast nur noch ein professioneller Kammerjäger sie wieder loszuwerden.