Weltberühmte deutsche Firma schlittert in die Insolvenz

Eine deutsche Tradition stirbt: Über Jahrzehnte prägte das Unternehmen Native Instruments die Musikszene, große internationale Künstler griffen auf Musiksoftware und DJ-Technik zurück. Jetzt ist die Firma pleite – und damit Geschichte!

Diese Nachricht trifft die Musikszene hart: Native Instruments ist pleite und damit einer der weltweit führenden und einflussreichsten Hersteller von Musiksoftware und DJ-Technik. Das Unternehmen aus Berlin musste Insolvenz anmelden.

Unternehmen mit Geschichte
Native Instruments blickt auf eine lange Geschichte zurück: 1996 in Kreuzberg gegründet, war die Firma stets eng mit Berlins Aufstieg zur Techno-Hauptstadt verbunden. Die Firma hat erfolgreich Hard- und Software für die Musikproduktion entwickelt und verkauft, vor allem sogenannte Plug-ins, digitale Instrumente und DJ-Technik. Auch Programme wie „Kontakt“, „Reaktor“ oder die DJ-Software „Traktor“ stammen aus dem Hause Native Instruments und wurden längst zu Standards der elektronischen Musik.

Große Namen setzten auf Native Instruments
Die Technik war auch bei internationalen Künstlern wie Depeche Mode beliebt, eine Vielzahl von DJs bauten damit komplette Studios auf. Doch jetzt ist endgültig Schluss: Laut den Unterlagen des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg wurden Ende Januar Insolvenzanträge für mehrere Unternehmensteile gestellt. Rechtsanwalt Torsten Martini ist als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Weder er noch das Unternehmen gaben bislang eine Stellungnahme zu dem Verfahren ab.

In der Szene herrscht große Unruhe, denn ohne Support oder Updates könnten viele Projekte und Dateien bald unbrauchbar werden. Anna Z, DJ in Berlin, sagte dem Tagesspiegel: „Ohne die Produkte könnte ich viele Dinge nicht machen. Ich kann nicht einfach zu einem anderen Hersteller wechseln.“ Zudem sind rund 350 Mitarbeiter von dem Aus betroffen.

Krise zeichnete sich ab
Überraschend kommt die Insolvenz allerdings nicht, da sich schon seit Jahren Probleme abzeichnen: Stellenabbau, Führungswechsel, 2021 die Übernahme durch Francisco Partners, später Zukäufe und eine Umbenennung zu „Soundwide“, die aber nur von kurzer Dauer war. Innovationen wurden nicht mehr präsentiert, die Firma wurde von der Konkurrenz abgehängt. Das Aufkommen von Künstliche Intelligenz setzt außerdem klassische Musiksoftware zunehmend unter Druck.

Ob Native Instruments aus der Insolvenz zu retten oder ein zumindest teilweiser Verkauf unumgänglich ist, bleibt aktuell offen.

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Martin Beier