Weltweit bekannt: Deutscher Elektronikriese vor dem Aus

Ein Elektronikunternehmen mit über 100-jähriger Geschichte und einem Markennamen, der Verbrauchern auf der ganzen Welt ein Begriff ist, steht vor dem Aus.

Leider sind heutzutage selbst Insolvenzen bekannter Namen keine Seltenheit mehr. Doch hin und wieder kann uns ein vermeintlich erfolgreicher Name, der für viele von uns seit vielen Jahren ein Begriff ist, immer noch überraschen.

Deutscher Elektronikriese in ernsthaften Schwierigkeiten
Einst galt es als eines der innovativsten Elektronikunternehmen Deutschlands. Vor nicht allzu langer Zeit erhielt es zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Blauen Engel, und seine Produkte sind weltweit bekannt, doch in letzter Zeit lief es für den Ahrensburger Elektronikriesen Vivanco alles andere als gut.

Vivanco, das Unternehmen hinter dem weltberühmten „Babyfon“, ist insolvent. Von den allerersten Babyfonen im Walkie-Talkie-Stil bis hin zu hochentwickelten modernen Geräten war ein „Babyfon“ länger, als viele von uns sich erinnern können, fester Bestandteil von Millionen von Familienhaushalten in ganz Europa und darüber hinaus. Jetzt könnte aber alles bald vorbei sein.

Es ging so schnell: Im Februar meldeten die Vivanco-Gruppe GmbH und die Vivanco GmbH Zahlungsunfähigkeit, woraufhin das Amtsgericht Reinbek ein Insolvenzverfahren unter Eigenverwaltung eröffnete. Die Versuche, das Geschäft in den folgenden drei Monaten zu sanieren, blieben leider ohne den erhofften Erfolg: Nun wurde für den deutschen Elektronikriesen ein reguläres Insolvenzverfahren eingeleitet.

Vom großen Erfolg in die Insolvenz
Und doch schien der Erfolg einst so sicher zu sein. In den über 100 Jahren seit seiner Gründung in Hamburg baute das Unternehmen ein riesiges europäisches Vertriebsnetz auf. In den 1980er Jahren wurde das Babyfon® (an dem Vivanco die Markenrechte besitzt) zu einem echten Verkaufsschlager. Noch in den 2000er Jahren zählte es zu den Top-Geräten auf dem Markt – ÖKO-TEST bewertete das Vivanco Babyfon BM 440 ECO Plus im Jahr 2006 mit „Sehr gut“. Im Jahr 2008 exportierte das Unternehmen seine Produkte weltweit.

In jüngerer Zeit haben sich die wirtschaftlichen Herausforderungen für Vivanco jedoch als zu groß erwiesen: In einem Konzernzwischenbericht zum ersten Halbjahr 2025 ist, wie der Merkur schreibt, von einem Rückzug aus dem deutschen Consumer-Electronics-Geschäft die Rede, um nach Jahren „ständiger Verluste“ eine „Neuorientierung“ zu ermöglichen. Das Unternehmen hatte besonders stark unter dem Preiswettbewerb durch Eigenmarken und andere große Hardware-Hersteller gelitten. Die Kosten stiegen immer weiter an. Ein Bild, das heutzutage nur allzu vertraut erscheint.

Neben Babyfon gehören zu Vivanco auch die Marken Aircoustic, Titan und Prowire; zu den Produkten zählen zudem Zubehör für Smartphones, Tablets, PCs und Fernseher sowie zahlreiche Heimelektronikprodukte.

Das internationale Geschäft und die Markenlizenzierung der Vivanco Gruppe AG gehören mittlerweile dem italienischen Spezialisten für Unterhaltungselektronik-Zubehör SBS S.p.A. Die Zukunft der deutschen Vivanco-Gruppe GmbH und der Vivanco GmbH ist jedoch höchst ungewiss. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich für das Traditionsunternehmen noch eine Rettung abzeichnet.

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Oskar Herbert