

Ein jahrzehntelanger deutscher Traum ist gestern Nacht in Erfüllung gegangen. Nach einem gescheiterten und mehreren unterbrochenen Versuchen ist es dem bayerischen Start-up Isar Aerospace gelungen, die erste deutsche Rakete in die Erdumlaufbahn zu schicken. Liftoff geschah um 22.12 Uhr von dem Weltraumbahnhof, der auf der norwegischen Insel Andøya aufgebaut wurde. Etwa zehn Minuten später hatte die Rakete, die den Namen „Spectrum“ trägt, die Erdumlaufbahn erreicht. Der Flug ist unbemannt, aber von enormer Bedeutung für Deutschland und Europa. An Bord trägt die Rakete nämlich fünf Satelliten und technologische Geräte für die europäische Weltraumforschung.
Zum ersten Mal auf europäischem Grund und Boden
Die „Spectrum“ ist die erste Rakete, die von europäischem Grund aus in die Erdumlaufbahn geschickt wurde. Bisher mussten sich europäische Raumfahrtbehörden und –unternehmen auf den südafrikanischen Milliardär Elon Musk und dessen Unternehmen SpaceX verlassen, um Satelliten ins All zu befördern. Dabei wurden von den europäischen Unternehmen die genauen Baupläne der Satelliten abverlangt. Mit dem erfolgreichen Eintritt der Spectrum in den Orbit erlangt Deutschland und Europa einen weiteren Schritt im Suchen nach größerer Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten. Ungefähr 40 dieser Trägerraketen sollen künftig jedes Jahr ins All geschickt werden. Finanziert wird das Vorhaben von der Europäischen Weltraumorganisation ESA, der Bundesrepublik und anderen europäischen Staaten und Investoren.
Was lange währt
Der geglückte Start hat zu einem allgemeinen Aufatmen bei Isar Aerospace und ihren Partnern geführt. Die Bundesregierung gehörte auch zu den ersten Gratulanten. „Deutschland kann Raumfahrt«,schrieb schrieb die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär, nach dem Start in den sozialen Medien. „Ein Meilenstein, der die Innovationskraft und das technische Wissen unseres Landes eindrucksvoll unter Beweis stellt“. Bis zum gestrigen geglückten Start hatte die „Spectrum“ mehrere Missgeschicke erleiden müssen. Ein Vorgänger der Trägerrakete war im Frühjahr 2025 weniger als eine Minute vor dem Start abgestürzt. Der zweite Start musste dann verschoben werden, weil zuerst ein defektes Ventil und dann ein norwegischer Fischer, der sich mit seinem Boot in der Schusslinie befand, einen Launch sabotierten. Auch zwei weitere Startzeitpunkte in diesem mussten aufgrund technischer Probleme verschoben werden. Jetzt aber ist die „Spectrum“ erfolgreich im Weltall und leitet eine neue Ära sowohl in der deutschen als auch in der europäischen Space-Exploration ein.