

Der Chef der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“, Jean-Pascal Hohm, spricht sich dafür aus, dass AfD-Politiker weiter mit dem umstrittenen Aktivisten Martin Sellner auftreten dürfen. „Wichtig ist, dass wir weiter auf Podien sitzen und Debatten führen können, etwa auf Einladung Dritter“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstagsausgabe). „Ein Kontaktverbot wäre falsch, ließe sich kaum durchhalten und auch nicht durchsetzen.“
Der Bundesvorstand der Partei hatte am Montag per Beschluss alle Verbände und Mitglieder aufgefordert, keine „Parteiveranstaltungen“ mit Sellner durchzuführen. Es wurde auf zwei Positionspapiere verwiesen, die die Haltung der Partei zum Begriff „Remigration“ und zum deutschen Staatsvolk definieren. Das war als Abgrenzung von Sellner zu verstehen. Wie laut FAZ aus AfD-Kreisen verlautete, hatte die Parteiführung sich klarer von Sellner abgrenzen wollen, dies in dem Beschluss aber nicht getan, um Sellner-Anhänger nicht weiter gegen sich aufzubringen.
Demnach lässt der Beschluss weiter Veranstaltungen der AfD-Fraktionen mit Sellner oder öffentliche Debatten mit ihm auf dessen Einladung zu. Hohm sagte der FAZ zwar, er plane solche Veranstaltungen nicht. „Veranstaltungen wie die von Frau Kotré und Herrn Sellner sind weder von mir als Abgeordnetem noch von der Generation Deutschland vorgesehen.“ Hohm ist auch Abgeordneter im Landtag Brandenburg; seine Fraktionskollegin Lena Kotré war im Januar einer Einladung Sellners zum Gespräch gefolgt.
Seinen Verzicht darauf, Sellner einzuladen, begründete Hohm allerdings nicht mit dessen Positionen. Vielmehr berief er sich auf eine Art Arbeitsteilung zwischen Partei und aktivistischem Vorfeld. „Mit Projekthygiene können wir Patrioten mehr erreichen. Partei und Vorfeld haben im patriotischen Mosaik unterschiedliche Aufgaben, die sie erfüllen müssen“, sagte Hohm. Das ist eine verbreitete Einschätzung in Partei und Vorfeld. Danach können Aktivisten die Grenzen des Sagbaren radikaler verschieben, als es Parteifunktionären möglich ist. Damit sollen sie den Weg bereiten, den die Partei dann beschreiten kann.
dts Nachrichtenagentur
Foto: Martin Sellner (Archiv), via dts Nachrichtenagentur