

Angesichts drohender Flugausfälle aufgrund von Kerosinknappheit fordern Luftfrachtunternehmen eine bevorzugte Versorgung mit Treibstoff.
„Wir kommen möglicherweise in eine Situation, dass in Deutschland Kerosin zugeteilt werden muss, wie es in Italien bereits der Fall ist“, sagte Claus Wagner, Vorsitzender des Verbands der Air Cargo Abfertiger Deutschlands (VACAD), der „Welt am Sonntag“. „Es droht dann ein Szenario wie in der Corona-Pandemie. Vor allem kleinere Flughäfen werden irgendwann nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr angeflogen werden.“
Ein Ausfall der Frachtkapazitäten insbesondere an den dezentralen Flughäfen könne „erhebliche Auswirkungen auf die Lieferketten der deutschen Industrie“ haben, warnte Wagner. „Im Falle einer kerosinseitigen Ressourcenknappheit ist eine priorisierte Versorgung der Luftfrachtlogistik ökonomisch zwingend“, sagte Christopher Stoller, Präsident des Aircargo Club Deutschland (ACD), der Zeitung. „Der Luftfrachtsektor fungiert als kritisches Rückgrat globaler Lieferketten und industrieller Wertschöpfung. Die Sicherstellung wirtschaftlicher Stabilität muss primäre Zielgröße sein.“
Nach Einschätzung des Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt droht in der europäischen Kerosinversorgung aufgrund fehlender Raffineriekapazitäten eine Versorgungsslücke von bis zu 100.000 Tonnen Treibstoff pro Tag, was 20.000 Mittelstreckenflügen pro Tag entspreche. „Im Sommer könnte es in Deutschland zu einer Kerosin-Triage kommen“, sagte Großbongardt der „Welt am Sonntag“. „Berlin und Brüssel müssen dann entscheiden, welche Flüge prioritär mit Treibstoff versorgt werden.“
dts Nachrichtenagentur
Foto: FedEx und UPS (Archiv), via dts Nachrichtenagentur