RKI präsentiert eigenen Stufenplan

Nun hat in der Debatte um mögliche Lockerungen auch die oberste deutsche Seuchenbehörde, das Robert-Koch-Institut ein eigenes Konzept vorgelegt. Vier „Intensitätsstufen“ sollen dabei helfen, die Pandemie in Deutschland dauerhaft kontrollieren zu können.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) positioniert sich nun auch in der Debatte um Öffnungen aus dem geltenden Lockdown. Genannt wird dies vom RKI „ControlCovid“ und ist als Handreichung auf der Internetseite des Instituts veröffentlicht worden. Angelegt ist es als vierstufiges lokales Konzept, welches sich nicht ausschließlich an der Sieben-Tage-Inzidenz orientiert. Vielmehr sei es das Ziel der Strategie, „die Zahl der schweren Erkrankungen, Langzeitfolgen und Todesfälle durch Covid-19 zu minimieren und eine Überlastung des Gesundheitswesens nachhaltig zu vermeiden“.

Neben der Sieben-Tage-Inzidenz dienen zur Einordnung der aktuellen Lage in einer dieser vier „Intensitätsstufen“ auch die Belegung der Intensivbetten, die Hospitalisierungsrate von über 60-Jährigen wie auch die Anzahl an Kontaktpersonen, die nachverfolgt werden können. Auch der R-Wert, der Anteil an neuen Varianten am Infektionsgeschehen, Fälle ohne ermittelbare Infektionsquelle und die Anzahl, Größe und Setting einzelner Ausbruchsergebnisse sollen darin Berücksichtigung finden.

Auf lokaler Ebene soll anhand dieser spezifischen Kriterien dann eine Definition für ein Maßnahmenbündel gefunden werden. Scharfe Grenzwerte sind dabei nicht sinnvoll. Als „Leitfaktor“ sei die Sieben-Tage-Inzidenz dann bei ansteigenden Fallzahlen zu sehen, die Intensivbettenbelegung rückt hingegen bei abnehmenden Infektionsgeschehen in den Fokus.

Für das RKI ergibt sich aus den Erkenntnissen über Risiken von Infektionen in bestimmten Settings dann folgendes Stufenkonzept:

Basisstufe (Sieben-Tage-Inzidenz unter 10, Intensivbettenbelegung unter 3 Prozent, Inzidenz hospitalisierte über 60-Jährige unter 3, mehr als 90 Prozent der Kontaktpersonen können nachverfolgt werden): alle Bereiche sind mit Schutzkonzepten offen, Begrenzung der Zusammenkünfte in Innenräumen auf unter 100 Personen, im Freien auf unter 1000.

Intensitätsstufe 1 (Sieben-Tage-Inzidenz unter 35, Intensivbettenbelegung bis 5 Prozent, Inzidenz hospitalisierte über 60-Jährige bis 4, 80 bis 90 Prozent der Kontaktpersonen können nachverfolgt werden): Begrenzung der Zusammenkünfte in Innenräumen wird auf 50 herabgesetzt, im Freien auf 500.

Intensitätsstufe 2 (Sieben-Tage-Inzidenz unter 50, Intensivbettenbelegung bis 12 Prozent, Inzidenz hospitalisierte über 60-Jährige bis 6, 60 bis 80 Prozent der Kontaktpersonen können nachverfolgt werden): Bars und Clubs sollten schließen, Zusammenkünfte nur noch bis 10 Personen im Inneren, bis 100 im Freien, mehr Homeoffice, gastronomische Angebote nur außer Haus zum Mitnehmen, Unis und FHs nur mit verminderter Personenzahl, Fernunterricht oder reduzierte Klassen in weiterführenden Schulen, Grundschulen und Kitas offen, höhere Taktung im ÖPNV, Einzelhandel nur mit einem Kunden pro 20 Quadratmeter.

Intensitätsstufe 3 (Sieben-Tage-Inzidenz über 50, Intensivbettenbelegung über 12 Prozent, Inzidenz hospitalisierte über 60-Jährige über 6, weniger als 60 Prozent der Kontaktpersonen können nachverfolgt werden): Treffen nur noch innerhalb der Familie, Wechsel von Unis, FHs und weiterführende Schulen in Distanzunterricht, Kitas und Grundschulen reduzieren die Klassengrößen, Religion, Kultur, körpernahe Dienstleistungen und Einzelhandel schließen.