

Migration und Einwanderung nach Deutschland sind Themen, die die Gesellschaft mit regelmäßigen Zwischenräumen spalten und die Gemüter erhitzen. Zuletzt hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) mit seinen Anschuldigungen, dass die Krawallen des vergangenen Wochenendes von „migrantischen Chaoten“ verursacht wurden, die Debatte wieder angefacht.
Gleichzeitig berichten Behörden von einem nie zuvor gesehenen Ansturm auf deutsche Pässe von Staatsbürgern anderer westlicher Industrienationen. Dabei haben viele der Antragsteller niemals einen Fuß auf deutschen Boden gesetzt. Hintergrund für das Interesse an den deutschen Pässen sind die beunruhigenden geopolitischen Entwicklungen und das deutsche Bestreben nach Wiedergutmachung als Folge der Massenvertreibung von Juden und anderen Minderheitsgruppen in der Bevölkerung zu Zeiten des Dritten Reichs.
Begehrte deutsche Pässe
Die sogenannte Wiedergutmachungseinbürgerung gibt Nachfahren von Opfern der Nazis die Möglichkeit, einen deutschen Pass zu beantragen, unabhängig davon, ob der Antragsteller eine augenblickliche Verbindung zu Deutschland hat. Laut dem Statistischen Bundesamt ist die Anzahl der Anträge für diese Art von Einbürgerung innerhalb von einem Jahr um rund 60 Prozent gestiegen und liegt zurzeit bei 170 000. Die meisten Anträge kommen aus Israel, wo viele der Nachfahren von jüdischen Opfern nach dem Zweiten Weltkrieg ihr neues Zuhause gefunden hatten. Auch aus den Vereinigten Staaten kommen erheblich mehr Anträge von Nachfahren jüdischer Verfolgter, als man bisher beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gesehen hat. Als Grund sehen Experten die politischen Zustände in sowohl Israel als auch den USA.
Trump und Hamas als Hauptgründe
Die wenigsten der Antragsteller haben zum Zeitpunkt des Gesuchs geplant, sich in der unmittelbaren Zukunft in Deutschland niederzulassen. Einwanderungsexperten sehen in dem Ansturm auf deutsche Pässe vielmehr vorsorgliche Handlungen, die es den neuen deutschen Staatsbürgern im Ausland ermöglichen sollten, in Krisensituationen schnellstmöglich ihre Heimat zu verlassen, um nach Deutschland oder in den Schengenraum der EU zu flüchten. Bestätigt werden Vermutungen durch einen enormen Anstieg von Anträgen kurz nach dem Überfall der Hamas auf israelische Bürger. Ein weiterer Schub von Einbürgerungsanträgen kam aus den Vereinigten Staaten und konnte direkt mit dem zweiten Amtsantritt des amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Zusammenhang gebracht werden.
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