EU-Inspektoren finden 29 Millionen versteckte Impfdosen

Die Größenordnung dieses versuchten Betrugs wird in die Geschichte eingehen. In Italien wurden 29 Millionen Impfdosen gegen Corona versteckt, um diese nach Großbritannien zu verschiffen.

Der Pharmakonzern AstraZeneca hat mindestens 29 Millionen Impfdosen vor der EU versteckt. Italienische Behörden fanden die versteckten Dosen des Anti-Corona-Vakzins in einer Fabrik im Umkreis von Rom. Medienberichten zufolge waren diese fertig verpackt für den Transport nach Großbritannien.

Im Moment sieht es aus, als habe AstraZeneca die Existenz dieser Impfdosen geheim gehalten. Denn der Konzern streitet sich seit Monaten mit den europäischen Staaten, weil er weniger liefert als vertraglich vereinbart. Bestellt wurden nämlich 100 Millionen Impfdosen, die bis Ende März an die europäische Gemeinschaft hätten gehen sollen. Tatsächlich lieferte der Konzern bisher aber nur 30 Millionen Dosen.

Die EU-Kommission bestätigte den Fund, gab aber noch keine Stellungnahme. Sicher ist: Die italienische Firma Catalent in Anagni, die für AstraZeneca produziert, lagerte das Vakzin in Kühlanlagen. In diesem Fall soll es sich allerdings um Impfdosen handeln, die in den Niederlanden produziert und in Italien abgefüllt worden sind. Der EU-Kommission lag ein Verdacht vor, worauf sie eine behördliche Untersuchung veranlassen ließ. Die Behörden vermuten, dass der in Anagni gelagerte Impfstoff für den Transport nach Großbritannien vorgesehen war.

Auch die italienischen Behörden bestätigten den Fund, gaben aber an, dass die Dosen für einen Transport nach Belgien vorgesehen waren. Unklar ist, ob sie von dort aus nach Großbritannien hätten gehen sollen oder ob geplant war, sie in der EU zu verteilen.

Die EU warf schon zuvor den Verdacht auf, dass AstraZeneca Großbritannien bevorzugt behandele. Auf der britischen Insel läuft die Impfkampagne auf Hochtouren, wohingehen die Impfziele in mehreren europäischen Staaten nicht erreicht wurden, weil nicht genug des Vakzins vorhanden ist.

Noch am Mittwoch will die EU Exportbeschränkungen für Corona-Impfstoffe erlassen. Einem ersten Entwurf zufolge soll der Export in Nicht-EU-Länder verboten werden, insofern diese eine höhere Impfquote haben als die EU-Nationen und insofern sie selbst keinen Export zulassen. Dies trifft vor allem auf die USA und Großbritannien zu. Beide Staaten bezogen bereits kleine Mengen der Anti-Corona-Impfstoffe aus der EU, erlaubten jedoch ihrerseits keinen Export von Impfdosen, die dort produziert worden sind. Parallel dazu verhandelt die EU mit Großbritannien, um eine Einigung zu finden, wie die Impfstoffe von AstraZeneca fair in Europa verteilt werden können.