Lieferengpässe bei Discountern: Spediteure warnen vor Versorgungsproblem

Supermärkte wie Kaufland, Lidl oder Rewe stellen wie im Frühjahr eine erhöhte Nachfrage fest. Gleichzeitig kommt es zu Lieferengpässen. Und die sollen sich noch verschärfen, wenn die Bundesregierung mit den Grenzschließungen ernst macht. Das kündigte das Speditionsgewerbe in einer Stellungnahme zu den geplanten Reisebeschränkungen an.

Der Bundesverbands Spedition und Logistik (DSLV) warnt vor Versorgungsengpässen, falls die Bundesregierung weitere Reisebeschränkungen beschließt. „Welche Belastungen auf die in der Logistik beschäftigten Menschen zukommen können, haben die kilometer- und tagelangen Staus in Südengland während der Weihnachtstage des vergangenen Jahres auf dramatische Weise gezeigt“, erklärte DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster dem „Tagesspiegel“.

Aufgrund der Pandemie bestehen ohnehin schon Versorgungsengpässe. Dies bestätigten Supermärkte gegenüber der „Lebensmittelzeitung“. So gab es bei Produkten der Marken „Iglo“ und „Bonduelle“ Mitte Januar Lieferengpässe. Einerseits sind die Konserven und Tiefkühlwaren der Marken-Hersteller gerade sehr gefragt, andererseits komme es weltweit zu „Verschiffungsproblemen“.

Bisher gelinge es den Supermärkten, anders als im Frühjahr 2020, schnell zu reagieren, sodass dem Verbraucher leere Regale nur vereinzelt auffielen. Teilweise würden sogar Strafzahlungen gefordert, um die Hersteller und Lieferanten unter Druck zu setzen.

Experten aus der Logistik- und Transportbranche fürchten jedoch, dass die Lage sich verschlimmern werde, sobald Grenzen geschlossen und Reisebeschränkungen verschärft würden.

„Die EU-Binnengrenzen zu schließen, wäre ein GAU. Wir würden dann sehenden Auges in Versorgungsengpässe hineinlaufen“, zitiert die „Welt“ Florian Eck, den Geschäftsführer des Deutschen Verkehrsforums. Ausgerechnet Tschechien und die Slowakei weisen extrem hohe Infektionszahlen auf. Doch genau hierdurch läuft eine Haupt-Verkehrsader für den Warenverkehr.

Im vergangenen Sommer hatte die EU die sogenannte Green Lane eingeführt, eine extra Spur für den Warenverkehr. „Diese Einigung bröckelt gerade, weil einzelne Länder Auflagen beschließen“, sagte Eck. Speditionen würden betroffene Länder meiden, wenn der Aufwand unwirtschaftlich wird. Die Unternehmen seien darauf angewiesen, ihr Personal regelmäßig im Einsatz zu halten. Sperrige Grenzregelungen können dies unmöglich machen.

Zu befürchten ist vor allem einen Engpass beim Fahrer-Personal. Nach Recherchen der „Welt“ sind in Deutschland etwa 100.000 Fahrer aus osteuropäischen EU-Ländern beschäftigt. Einmal im Monat würden diese nach Hause fahren. Dort haben sie eine Woche frei, dann geht es wieder nach Deutschland. Eine mehrtägige Quarantäne sei für dieses Personal inakzeptabel. „Sie würden diese Touren dann schlichtweg nicht mehr machen“, erklärte der Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung. Dies betreffe etwa ein Fünftel der in Deutschland tätigen LKW-Fahrer.

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