Massenaufstand in Indiens Straßen

Demokratien in der ganzen Welt erleben zurzeit einen gefährlichen Umbruch, den totaliäre Staatsoberhäupter, darunter Putin, Trump und Erdogan, zu nutzen wissen. Viele der Diktatoren kommen zwar durch demokratische Wahlen an die Macht, nehmen allerdings sofort das Wahlrecht der Bürger und die Existenz von oppositionellen Parteien aufs Korn und eliminieren durch geschickte Gesetze die Grundlagen, auf denen Demokratien basieren.

Jetzt fügt sich auch der indische Premierminister Narendra Modi in die Reihe der demokratisch gewählten Staatsoberhäupter ein, die durch eine starke Einschränkung des Wahlrechts seine Position als Staatsoberhaupt sichern soll. Die Entscheidung, 130 Millionen Bürger vom Wahlrecht auszuschließen, führt gerade zu einem der größten Volksaufstände, die Indien seit der Revolte der Inder unter Gandhi gegen die britischen Imperialisten gesehen hatte. 

Muslime besonders betroffen 

Mit 1,426 Milliarden Einwohnern ist Indien die bevölkerungsreichste Nation weltweit, aber die Bevölkerung spaltet sich oft über religiöse Differenzen und das umstrittene Kastensystem, in dem gewisse Gruppen schon bei Geburt einen unantastbaren Status in der Gesellschaft zugeeignet werden. Die Entfernung der 130 Millionen Wähler betrifft auch fast ausschließlich muslimische indische Staatsangehörige, die gerade einer ethnischen Säuberung ausgesetzt werden. Hunderttausende Muslime mit indischer Staatsbürgerschaft werden zurzeit vom indischen Militär über die Grenzen nach Bangladesch und Pakistan deportiert, obwohl ihre Ausweispapiere eindeutig ihre Zugehörigkeit zu Indien beweisen und ihre Familien seit Generationen in Indien gelebt haben. Die Veranstalter der Massenproteste auf den Straßen der Großstädte sind allerdings die Anführer der sogenannten Kakerlaken-Bewegung junger Studenten, die sich gegen die politische Korruption des Modi-Regimes wehren. 

Indische Jugend wehrt sich 

Die Kakerlaken-Bewegung, die sich jetzt zu einer politischen Partei mit dem gleichen Namen entwickelt hat, entstand zu Beginn des Jahres, nachdem ein umfassender Skandal im Prüfungswesen der Universitäten des Landes aufgedeckt wurde. Dabei hatten mehrere wohlhabende Studenten die Antworten zu ihren staatlichen Prüfungen bereits im Voraus erhalten. Nachdem hunderttausende Studenten wochenlang protestierten, musste der Bildungsminister zurücktreten. Den Namen erhielt die Bewegung nach einer Aussage eines äußerst umstrittenen und der Korruption beschuldigten obersten Richters des Landes, der die Jugend als Kakerlaken bezeichnete. Nach dem Erfolg der Demonstrationen im Zusammenhang mit Korruption im Bildungswesen demonstrieren jetzt die Kakerlaken gemeinsam mit hunderttausenden indischen Bürgern gegen die Reform des Wahlsystems, das die Regierungspartei des sitzenden Premierministers Modi begünstigt. Mehrere Anführer der Kakerlaken wurden zwar im Laufe der letzten Tage festgenommen, mussten aber auf Anweisung indischer Gerichtshöfe wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Die Kakerlaken wollen so lange mit den Demonstrationen fortsetzen, bis die Wahlreform für ungültig erklärt wird und der indische Justizminister zurückgetreten ist..

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  • Kakerlaken Bewegung was machen die Inder, sie schicken ihre Kammerjäger. Demokratie ist die Unterdrückung der Eliten durch die Kakerlaken, so zumindest in Indien.

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Alexander Grünstedt