Neue Langzeitstudie: zwei von drei Corona-Patienten leiden an Spätfolgen

Chinesische Forscher untersuchten hunderte Corona-Patienten ein halbes Jahr nach der Erkrankung. Dabei stellten sie fest, dass etwa Zweidrittel der Erkrankten immer noch über Folge-Symptome klagen. Am häufigsten leiden die Patienten unter Muskelschmerzen, Müdigkeit und psychischen Störungen.

Zweidrittel der Corona-Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, litten sechs Monate nach der akuten Erkrankung immer noch unter Folgesymptomen der Sars-CoV-2-Infekiton. Zu diesem Ergebnis kamen chinesische Forscher des National Clinical Research Centre for Respiratory. Bin Cao, Mit-Autor der Studie und Vize-Direktor des Instituts folgerte aus den Studienergebnissen: „Unsere Analyse zeigt, dass die meisten Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zumindest mit einigen der Auswirkungen des Virus weiterleben. Das unterstreicht die Notwendigkeit einer Nachsorge nach der Entlassung, insbesondere für diejenigen, die schwere Infektionen haben“.

Untersucht wurden 1733 ehemalige Patienten des Yin-tan Hospital in der chinesischen Stadt Wuhan mit einem Altersdurchschnitt von 57 Jahren. Sie alle wurden nach einer überstandenen COVID-19-Erkrankung zwischen Januar und Mai 2020 aus der Klinik entlassen. 1172 von ihnen mussten während ihres Krankenhaus-Aufenthalts künstlich mit Sauerstoff versorgt werden, allerdings mussten nur vier Prozent der Patienten intensivmedizinisch betreut werden. Der Gesundheitszustand der Probanden wurde sechs Monate nach Entlassung mittels Fragebögen, Labor- und Ausdauertests erneut untersucht.

Mehr als 60 Prozent leiden unter Schwäche-Symptomen

Das Ergebnis: 76 Prozent der Probanden wiesen immer noch mindestens ein Symptom auf, das sie während ihrer anfänglichen Corona-Infektion entwickelt hatten. 63 Prozent klagten über Müdigkeit und Muskelschwäche, 26 Prozent litten und Schlafstörungen, 23 Prozent der Probanden waren seit der Erkrankung durch Depressionen und Angstzustände geplagt. 13 Prozent der Probanden litten unter einer eingeschränkten Nierenfunktion, die während ihres Krankenhausaufenthalts noch nicht festgestellt worden war. Besonders schwer Erkrankte litten auch nach dieser langen Zeit noch unter einer eingeschränkten Lungenfunktion und schlechter Sauerstoffversorgung des Körpers.

Leichte Symptomatik nicht berücksichtigt

Experten geben zu bedenken, dass die Wuhan-Studie nur Patienten berücksichtigt, die im Krankenhaus eingeliefert worden waren, also einen schweren Verlauf hatten. Wie viele der Infizierten mit milden Symptomen unter Langzeitfolgen leiden, kann die chinesische Studie nicht darstellen.

In der MEDIAN Klinik Heiligendamm wurden bisher 300 dieser Fälle behandelt. „Diese Patienten haben einen milderen Verlauf, sind vielleicht nur kurz im Krankenhaus und bekommen dann nach ein bis drei Monaten Symptome“, erklärt Jördis Frommhold, Chefärztin der Abteilung für Atemwegserkrankung. Ihre Patienten seien zwischen 30 und 65 Jahre alt und litten unter Schwierigkeiten, ins Arbeitsleben zurück zu finden, wüssten jedoch nicht an wen sie sich wenden sollen. Für diese Menschen sei es ungemein wichtig, die Langzeitfolgen von COVID-19 weiter zu untersuchen und darüber aufzuklären.