Neue Wende im Infektionsgeschehen: „Beginn der dritten Welle“

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Samstag bundesweit mehr als 9000 Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz und der R-Wert weisen darauf hin, dass die Infektionskurve ab jetzt wieder steigt. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach spricht bereits von der dritten Welle.

Die Kurve der täglichen Neuinfektionen und der Sieben-Tage-Inzidenzen gleicht einer Achterbahnfahrt. Seit Anfang Januar machte die Siebe-Tage-Inzidenz eine steile Talfahrt. Doch dies ist nun offenbar vorbei. Am Samstag lag der Wert bei 57,8 und damit erstmals seit Wochen höher als am Vortag. Das heißt: Binnen sieben Tagen haben sich deutschlandweit wieder mehr Menschen pro 100.000 Einwohner angesteckt als am Tag zuvor.

Auch der R-Wert ist gestiegen: Am Samstagmorgen lag er bei 1,07. Am Freitagabend war er bereits bei 1,01 angekommen. Das heißt, dass 100 Infizierte theoretisch 107 weitere Menschen anstecken.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht in diesen Zahlen eine Wende zur nächsten Corona-Welle: „Ich halte es für gesichert, dass die Zahlen darauf hindeuten, dass wir am Beginn einer dritten Welle sind“, sagte der Gesundheitsökonom auf Anfrage des SWR. Er sieht darin gleichzeitig auch den „Beginn einer neuen Pandemie“. Nach seiner Einschätzung war der Lockdown „stark genug, um die alte Wildtyp-Variante zu verdrängen. Aber die neuen Varianten dehnen sich weiter aus“, so Lauterbach.

Diese Entwicklung sei absehbar gewesen, sagt der SPD-Politiker. Die Öffnung der Schulen, die am Montag in einigen Bundesländern vollzogen wird, sehe er vor diesem Hintergrund kritisch. Lauterbach hofft, dass die Antigen-Tests je nach Verfügbarkeit so schnell wie möglich bei allen Schulkindern eingesetzt werden, die am Präsenzunterricht teilnehmen.

Hoffnungslos ist Lauterbach aber nicht. Er ist sich sicher, dass die AHAL-Regeln auch gegen eine Ausbreitung der Mutationen nützen. Es sei daher umso wichtiger, dass diese strikt eingehalten würden.

AHAL steht für:
Abstand
– Kontakte vermeiden
– Abstand halten
Hygiene
– In die Ellbogen niesen oder husten
– häufig Hände waschen
Alltagsmasken
– Masken tragen, wo Kontakte sich nicht vermeiden lassen
Lüften
– Regelmäßig Lüften, um die Menge der Aerosole in der Atemluft gering zu halten

Weiter warnte Lauterbach vor schnellen Lockerungen. „Bund und Länder müssen gemeinsam ein vernünftiges Öffnungskonzept entwickeln“, sagte der Gesundheitsexperte der SPD, „das muss so sicher sein, dass wir nicht nach ein paar Wochen wieder alles schließen müssen, was wir gerade erst geöffnet haben.“