

Putin und der Kreml lassen sich nicht leicht hinters Licht führen, insbesondere weil die Paranoia des russischen Präsidenten alle auf den Zehenspitzen gehen lässt. Trotzdem ist es einer politischen Partei gelungen, die Behörden in Russland hereinzulegen und eine Demonstration zuzulassen, die sich jetzt als Massenaufstand gegen die Regierung erwiesen hat. Offiziell war für gestern eine landesweite Kundgebung im Rahmen eines historischen Gedenkanlasses der Kommunistischen Partei Russlands zugelassen worden. Die Zehntausenden von Teilnehmern, die sich für die Veranstaltungen in russischen Großstädten versammelt hatten, waren aber aus einem ganz anderen Grund erschienen. Bevor die Polizei und der russische Geheimdienst einschreiten konnten, schallte ein einvernehmliches „Nieder mit dem Zaren“ durch die Innenstädte.
Putin nicht besser als der Zar
Der Schlachtruf der Demonstranten bezieht sich auf die Oktoberrevolution in Russland im Jahre 1917, in der der russische Zar mit seiner Familie von aufgebrachten russischen Arbeitern und Soldaten festgenommen und später hingerichtet wurde. Die russische Kommunistische Partei gilt zwar als kremlfreundlich und durfte an den Scheinwahlen im vergangenen Monat für Sitze im russischen Abgeordnetenhaus teilnehmen. Im Laufe der letzten Monate hat sie sich aber zunehmend vom Krieg gegen die Ukraine und den restriktiven Maßnahmen der Regierung gegen die Bevölkerung distanziert. Dabei haben mehrere Politiker der Kommunisten in Reden in der Duma darauf hingewiesen, dass die russische Bevölkerung sich zurzeit in der gleichen miserablen Situation befindet wie zur Zarenzeit. Die Partei warnte Putin eindringlich davor, dass die vom Krieg und von den internationalen Sanktionen gebeutelte Bevölkerung einen Aufstand gegen Putin organisieren wird. Die augenblicklichen Demonstrationen könnten dabei der Anfang vom Ende darstellen.
Angst um Kinder treibt Bevölkerung
Für viele Beobachter erschien der kollektive Wutausbruch auf Moskaus Straßen unorganisiert und spontan. Besonders die Zukunft der jungen Russen und Russinnen lag den Demonstranten am Herzen. Laute Rufe von „Hände weg von unseren Kindern“ konnten überall gehört werden und beriefen sich auf die ständige Bedrohung durch eine massive Mobilisation. Zehntausende junge Russen werden monatlich unter fragwürdigen Umständen in das russische Militär eingezogen und als Kanonenfutter an die Front im Krieg gegen die Ukraine geschickt. Eine neue Mobilisationsrunde wird jetzt jeden Augenblick erwartet, weil dem russischen Präsidenten die Optionen ausgehen, um den Krieg gegen die Ukraine zu gewinnen.
Kommentare anzeigen
Es wird Zeit, dass das Volk aufsteht.