Politik-Berater sagt traditionelles Weihnachtsfest ab

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn appellierte an die Bevölkerung, dass Weihnachten noch zu retten sei, wenn die Infektionszahlen nicht außer Kontrolle geraten. Ganz anders äußerte sich Schottlands Nationaler Klinik-Chef Jason Leitch. Der Politik-Berater hat die Hoffnung auf traditionelle Weihnachten bereits aufgegeben.

Jason Leitch berät die schottische Politik in Corona-Fragen wie hierzulande der Charité Virologe Christian Drosten oder der Chef der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt. Seine Worte haben Gewicht. Heftig trifft daher die schottische Bevölkerung ein aktuelles Interview mit Leitch. In einer überregionalen Radiosendung machte der Nationale Klinik-Chef wenig Hoffnung auf Weihnachten. Zwar sei es „noch zu früh, dazu etwas zu sagen“, aber Eines sei sicher: „Wir werden uns nicht in großen Gruppen mit mehreren Familien treffen können – das ist in diesem Jahr Fiktion“, so Leitch in der BBC-Radiosendung „Good Morning Scotland“. Statt dessen solle man sich auf ein „digitales Weihnachten“ einstellen.

Politiker aus der Opposition wunderten sich, auf welcher Basis Leitch diese Aussagen mache und forderte weitere Informationen von der Regierung. Die Kommentare des Professors hätten die Bürger Schottlands „am Boden zerstört“. Die Menschen hätten monatelang Opfer gebracht. Wenn nun derartige Einschränkungen erwartet würden, müsse die Regierung eine öffentliche Debatte führen.

Schottland gilt seit Wochen als Corona-Risikogebiet. Anfang Oktober überstiegen die Infektionszahlen das Level der ersten Welle und wachsen seither exponentiell an. Dennoch schloss Leitch sein Interview mit einem Funken Hoffnung, „dass wir eine Art Normalität erreichen können, wenn wir es schaffen, die Zahlen auf ein gewisses Niveau abzusenken“, so der nationale Klinik-Chef.

Weihnachtsprognosen für Deutschland

In Deutschland wurden noch keine derart konkreten Aussagen ausgesprochen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte Mitte Oktober: „Wir haben es gemeinsam selbst in der Hand“, ob Weihnachten in gewohnter Form stattfinden könne oder nicht.

In anderem Kontext sprach die Bundeskanzlerin Angela Merkel von Weihnachten. Sie hatte ausgerechnet, dass bis Weihnachten 19.200 Neuinfektionen pro Tag zu erwarten seien. Diese These wurde zuerst als übertrieben betrachtet. Inzwischen gilt es als unrealistisch, dass die Zahl so klein ausfällt, wenn der aktuelle Verlauf bleibt, wie er ist. Das Robert-Koch-Institut meldete bereits heute 14.714 Neuinfektionen, am Tag zuvor waren es 11.242. Am 15. Oktober waren es noch 6.638 neue Fälle. Allerdings machen Experten Hoffnung, dass durch Gegenmaßnahmen bzw. Kontakt-Beschränkungen der Verlauf wieder gebremst werden könnte.

Merkel wiederholte unterdessen noch einmal ihren Appell vom vergangenen Samstag.