Regierungs-Virologin: „Mit diesem Kurs haben wir keine Chance“

Die Virologin Melanie Brinkmann äußerte sich im Magazin „der Spiegel“ zur Lockdown-Strategie der Regierung. Die jüngst getroffenen Entscheidungen bezeichnet sie als „fatal“. Wir steuern damit auf eine Lockdown-Dauerschleife zu, fürchtet die Virologin, die bisher dem wissenschaftlichen Beraterstab der Regierung beisaß.

Aller Voraussicht nach wird der allgemeine Lockdown nach dem 14. Februar verlängert. Allerdings fordern einige Länderchefs lokale Lockerungen. Als Schwelle, damit Lockerungen möglich werden, gilt ein Inzidenzwert 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Die Virologin Melanie Brinkmann bewertet diese Entscheidung als „fatal“. In einem „SPIEGEL“-Interview erklärte die Wissenschaftlerin des Helmholtz Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig: „Wir alle wollen aus diesem verdammten Lockdown raus – aber die Kanzlerin hat am Dienstag leider verkündet, dass die 50er-Inzidenz weiterhin als Richtschnur dienen soll. Mit diesem Kurs haben wir keine Chance.“

Brinkmann glaubt, dass mit dieser Politik eine Lockdown-Dauerschleife eintrete. Durch die Lockerungen würden die Zahlen nach kurzer Erholung sofort wieder in die Höhe schnellen, insbesondere in Anbetracht der Mutationen in Großbritannien, Südafrika und Brasilien. Sie glaubt, der Wettlauf gegen die Ausbreitung der Mutationen in Deutschland sei längst verloren. Wenn jetzt nicht die richtigen Reaktionen folgten, „geht es hier demnächst zu wie in London, dann gibt es eine Tausender-Inzidenz, und alle sind ganz erschrocken“, so Brinkmann.

„Wir kriegen niemals genügend Menschen geimpft, bevor die Mutanten durchschlagen“, da ist sich die Virologin sicher. „Der Impfstoff ist zwar da, die Produktion läuft, aber es wird dauern, bis alle ihn bekommen. Das Impfen wird uns erst aus der Pandemie befreien, wenn sie weltweit abflaut.“ Brinkmann geht davon aus, dass dies noch bis ins Jahr 2022 andauern könne.

Die Virologin sieht als einzige Lösung aus diesem Desaster eine „No Covid“-Strategie. „Wir, eine Gruppe von 13 Wissenschaftlern, glauben nicht an die Strategie, dass man mit dem Virus leben kann, sondern dass man es besiegen muss“, erklärt die Regierungsberaterin. Sie und ihre Kollegen glauben, man müsse so schnell wie möglich mit einer „konsequent durchgesetzten Kontaktvermeidungsstrategie“ eine 7-Tages-Inzidenz von unter 10 erreichen. Dann nämlich könnten die Gesundheitsämter „wirklich wieder Infektionsketten nachverfolgen, und wir alle bekämen unser Leben zurück“, so Brinkmann, „Dieses Larifari des ‚Hier ein bisschen Homeoffice, dort ein improvisiertes Hygienekonzept‘, das muss aufhören.“, fordert Brinkmann.

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