Zahlreiche tote Pferde: Virus-Ausbruch löst Entsetzen aus

Zahlreiche Reiter mussten in den vergangenen Tagen den grausamen Tod ihrer Pferde miterleben. Der Grund ist ein tödliches Virus, das sich von Spanien aus aggressiv ausbreitet. Für den Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich. Für den Reitsport ist sie jedoch eine Katastrophe.

Wieder ist es ein Virus, das zahlreiche Menschen in blanke Angst versetzt. Dieses Mal handelt es sich um eine Pferdekrankheit, die nach allem was bekannt ist, für den Menschen ungefährlich ist. Unter Pferden jedoch breitet sich das Virus EHV-1 aggressiv aus. Der Virenstamm, der den Herpesvieren angehört, hat schon zahlreiche Tiere getötet, bei anderen hinterlässt er bleibende Schäden.

Als „Alptraum, den niemand erleben sollte“, beschreibt Springreit-Weltmeisterin Simone Blum den Tod von drei Pferden aus deutschen Turnierställen.

Das Virus hat sich nach ersten Erkenntnissen bei einer Turnierserie in Valencia unter zahlreichen Rennställen verbreitet. Der Weltverband FEI reagierte inzwischen mit der Absage aller internationalen Turniere in Deutschland und neun weiteren Ländern.

Der Ausbruch sei „wahrscheinlich der schlimmste in Europa seit vielen Jahrzehnten“, sagte FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibanez: „Dieser EHV-1-Stamm ist besonders aggressiv und hat bereits Todesfälle bei Pferden und eine sehr große Anzahl von schweren klinischen Fällen verursacht.“ Wie verbreitet EHV-1 inzwischen ist, kann derzeit niemand sagen. Aber man wisse, „dass eine große Anzahl von Pferden den Veranstaltungsort in Valencia ohne ein offizielles Gesundheitszertifikat verlassen hat, was bedeutet, dass sie einen unbekannten Gesundheitsstatus hatten“, sagte Ibanez: „Einige Pferde waren bereits krank und das Risiko einer Übertragung durch diese Pferde ist ein großes Problem.“

Axel Milkau, Turnierchef des internationalen Hallenreitturniers Braunschweig Classico kritisierte die FEI im Gespräch mit dem NDR. Die Lage in Valencia sei eine „Katastrophe“ mit medizinischer Unterversorgung für zahlreiche kranke Tiere. Außerdem habe der Weltverband viel zu spät reagiert. Obwohl mehrere Pferde bereits vor über einer Woche starke Symptome zeigten, habe man erst jetzt einen Krisenstab eingerichtet.

„Das ist viel zu spät – eine glatte Sechs. Wir haben dort tote Pferde – durch ein Virus, das in die Hirne der Tiere eindringt und einen neurologischen Verfall bewirkt“, sagt Milkau. Die kranken Pferde hätten geringe Überlebenschancen und „wenn sie es schaffen, dann ist das wie nach einem Schlaganfall. Die sind dann nicht mehr so wie vorher. Die können nur noch auf der Wiese herumlaufen“, erklärte Milkau. „Es geht hier nicht um den wirtschaftlichen Schaden. Wir sind alle Tierliebhaber, und die sterben uns da weg“, hört man den Turnierchef am Telefon, bevor ihm die Stimme unter Tränen wegbricht.